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Neues aus der Forschung

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Esketamin: Wirksamkeit und Sicherheit nicht belegt


Esketamin: Studie zur Wirksamkeit und Sicherheit


Esketamin ist die enantiomerenreine Form des racemischen Narkosemittels Ketamin.
Missbräuchlich wird Ketamin als Straßendroge verwendet.
Esketamin ist als Nasenspray in der EU zur Behandlung von therapieresistenten Depressionen zugelassen.

Eine Forschergruppe um Thomas J. Moore untersuchte in einer kürzlich veröffentlichen multidisziplinären Übersichtsarbeit die Wirksamkeit und Sicherheit von Esketamin bei der Behandlung von Depressionen.

Safety and effectiveness of NMDA receptor antagonists for depression: A multidisciplinary review auf Pharmacotherapy, Juli 2022

Laut den Forschern konnte weder Sicherheit der Substanz noch eine höhere Wirksamkeit im Vergleich zu einem Placebo nachgewiesen werden.

Sie schreiben zur Wirksamkeit bei der Behandlung von Depression und Suizidalität:
"Die vielversprechenden Ergebnisse, die in den kleinen, monozentrischen Studien mit einer Einzelinfusion mit racemischem Ketamin beobachtet wurden, konnten in den größeren multizentrischen Studien mit Esketamin-Nasenspray im Allgemeinen nicht wieder dargestellt werden."

"Das wissenschaftliche Ziel einer raschen Reduktion der Suizidalität mit Esketamin im Vergleich zur üblichen Behandlung wurde in keiner der drei klinischen Studien erreicht."

Bezüglich der Sicherheit:
"Unter Berücksichtigung der wissenschaftlichen Studien, die in dieser Bewertung überprüft wurden, stellen wir fest, dass weder Ketamin noch Esketamin für eine längere klinische Anwendung zur Behandlung von Depressionen als sicher erwiesen wurden. In subanästhetischen Dosen ist Ketamin eine gut dokumentierte Sucht- und Missbrauchsdroge. Bildgebende Verfahren im Rahmen von Tierstudien zeigen bereits Schäden an den Nervenzellen, wenn die Tiere der Substanz nur kurz ausgesetzt waren.Bei längerer Anwendung können die erzeugten abnormalen Vakuolen (Zellorganellen) die Selbstreparaturkapazität der Nervenzellen überschreiten und den apoptotischen (programmierten) Zelltod auslösen."

"Der veränderte Bewusstseinszustand, der durch Ketamin und Esketamin hervorgerufen wird, variiert mit Dosis, Dauer und psychischer Gesundheit des Patienten. Umfangreiche Studien zeigen jedoch, dass das veränderte Bewusstsein von einer milden, vorübergehenden, aber angenehmen Euphorie bis hin zu Halluzinationen, Wahnvorstellungen und anderen Formen klinisch signifikanter Psychosen reicht. Obwohl bei den meisten Patienten vorübergehend, kann der veränderte Bewusstseinszustand andauernd sein oder wiederkehren, auch nachdem das Medikament nicht mehr im Organismus ist."


Ausführlicher Artikel zur Studie: Ketamin gegen Depressionen stellt ein „erhebliches Risiko für die Öffentlichkeit“ dar auf MIA, auf Deutsch anzeigbar
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Psychotherapie bei Depressionen langfristig wirksamer als Antidepressiva / Neues aus der Forschung

Psychotherapie bei Depressionen langfristig wirksamer als Antidepressiva

Artikel: Therapie schlägt Medikamente gegen Depressionen für langfristige Ergebnisse auf MIA (Auf Deutsch anzeigbar)

Forscher um Pim Cuijpers an der Vrije Universität Amsterdam, Niederlande, fanden in einer groß angelegten Metaanalyse heraus, dass Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) bei der Behandlung von Depressionen, kurzfristig genauso wirksam zu sein scheint, wie Antidepressiva. Nach einer Behandlungsdauer von 6 - 12 Monaten schnitt KVT deutlich besser ab als Antidepressiva.

Anders als oft gesagt, war eine Kombinationsbehandlung von KVT plus Antidepressiva, nicht wirksamer als KVT alleine.

Zudem fanden die Forscher heraus, dass andere Psychotherapiearten genauso wirksam waren wie KVT. Untersucht wurden u.a. unterstützende Therapie, IPT (interpersonelle Therapie) und Verhaltensaktivierung. Auch nicht angeleitete Selbsthilfe erwies sich als effektiv.


Orginalstudie: Cognitive behavior therapy vs. control conditions, other psychotherapies, pharmacotherapies and combined treatment for depression: a comprehensive meta-analysis including 409 trials with 52,702 patients - World Psychiatry, 22, 105-115. Januar 2023
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Meldehäufigkeit eines Entzugssyndroms bei diversen Antidepressiva - Neues aus der Forschung

Meldehäufigkeit eines Entzugssyndroms bei diversen Antidepressiva


Eine Forschergruppe um Chiara Gasalton wollte herausfinden, ob Antidepressiva im Vergleich zu anderen Medikamenten mit einer erhöhten Meldehäufigkeit über das Entzugssyndrom assoziiert sind. Ferner sollten Risikofaktoren für schwerwiegende Reaktionen untersucht werden. Dafür werteten sie in einer Pharmakovigilanz-Analyse 31.688 Meldungen aus der WHO-Datenbank für spontane Meldungen aus.

Withdrawal Syndrome Following Discontinuation of 28 Antidepressants: Pharmacovigilance Analysis of 31.688 Reports from the WHO Spontaneous Reporting Database Drug Saf 45, 1539–1549 (2022).

Kernergebnisse:
  • "Antidepressiva sind mit einer überproportionalen Anzahl an Meldungen von Entzugssyndromen verbunden, mit Unterschieden zwischen einzelnen Antidepressiva.
  • Beim Absetzen von Antidepressiva ist bei Personen, die Paroxetin, Duloxetin, Venlafaxin und Desvenlafaxin absetzen, besondere Vorsicht geboten; diese wiesen die stärksten überproportionalen Meldungen über das Entzugssyndrom auf.
  • Besondere Aufmerksamkeit sollte auch folgenden Personengruppen geschenkt werden, da diese Untergruppen ein längeres und schwereres Antidepressiva-bedingtes Entzugssyndrom erleben können: Männer; Jugendliche und jüngere Erwachsene; Personen, die Antidepressiva mit anderen psychotropen Co-Medikationen einnehmen; Personen, die länger als zwei Jahre in Behandlung sind."
Ein sehr interessantes Ergebnis ist, dass die stärksten überproportionalen Meldungen, welche für Paroxetin, Duloxetin, Venlafaxin und Desvenlafaxin gefunden wurden, mit denen für Buprenorphin (ein starkes Opioid, das unter das Betäubungsmittelgesetz fällt) vergleichbar sind.
Die Forscher schreiben dazu: "Dieses Ergebnis verstärkt die Besorgnis über diese Antidepressiva und darüber, wie sehr das mit ihnen verbundene Entzugssyndrom unterschätzt wurde."

Ebenfalls erwähnenswert ist, dass Johanniskraut (Hypericum perforatum) bei den Antidepressiva, die mit Entzugssymptomen in Zusammenhang gebracht werden, mit aufgeführt ist.

Interessenkonflikte: Einige der beteiligten Forscher erklären einen Interessenkonflikt aufgrund von wirtschaftlichen Beziehungen zu pharmazeutischen Unternehmen (z.B. in Form von Beraterverträgen).


Anmerkung: Die kürzlich veröffentlichte Übersichtsarbeit Abschätzung des Risikos eines Antidepressiva-Entzugs aus einer Überprüfung der veröffentlichten Daten (Horowitz et al.) bezog in ihre Analyse zusätzlich zu den Daten der WHO-Datenbank weitere frühere Studien ein, die Daten über Entzugserscheinungen enthielten. Auf dieser Grundlage wird das Risiko für Entzugserscheinungen einiger Antidepressiva deutlich höher eingeschätzt als bei der hier vorgelegten Studie.
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Wirksamkeit und Sicherheit von Antidepressiva in der Schmerztherapie / Neues aus der Forschung

Wirksamkeit und Sicherheit von Antidepressiva in der Schmerztherapie

Antidepressiva werden häufig zur Behandlung von chronischen Schmerzen eingesetzt. Eine Forschergruppe um Hollie Birkinshaw untersuchte nun mit einer großangelegten Metaanalyse, ob Antidepressiva in der Schmerztherapie wirksam und sicher sind.

Antidepressants for pain management in adults with chronic pain: a network meta‐analysis Mai 2023

Von den 25 untersuchten Antidepressiva wurde lediglich für Duloxetin eine Wirksamkeit nachgewiesen. Es zeigte bei der Standarddosis eine geringe bis mittlere Wirkung bezogen auf eine erhebliche Schmerzlinderung. Eine höhere Dosis verbesserte die Wirksamkeit nicht.

Derzeit ist für kein Antidepressivum eine Langzeitwirksamkeit bei Schmerzen belegt. Auch die Sicherheit von Antidepressiva in der Schmerzbehandlung ist nicht nachgewiesen.

Die Studie wurde auf der Cochrane Database of Systematic Reviews veröffentlicht.
Quelle: Cochrane Database of Systematic Reviews – doi.org/10.1002/14651858.CD014682.pub2

Weitere Artikel zur Studie:
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Ketamin bei Depressionen nicht besser als ein aktives Placebo /Neues aus der Forschung

Ketamin bei Depressionen nicht besser als ein aktives Placebo

Artikel: Ketamin übertrifft aktives Placebo bei Depressionen nicht auf MIA (automatisierte deutsche Übersetzung einstellbar)

Befürworter von Ketamin argumentieren, dass es eine schnelle, aber vorübergehende antidepressive Wirkung hat. Allerdings können die Versuchsteilnehmer anhand der Nebenwirkungen von Ketamin sehr leicht erkennen, ob sie Ketamin oder ein Placebo erhalten hatten.

In einer neuen Studie der Stanford University verglich eine Forschergruppe um Theresa Lii und Boris Heifets die Wirkung einer Einzeldosis intravenös verabreichtes Ketamin mit einem aktiven Placebo bei Erwachsenen mit einer schweren depressiven Störung (MDD).

Als aktives Placebo wird ein Medikament bezeichnet, das die Nebenwirkungen des untersuchten Wirkstoffes nachahmt, ohne seine angenomme spezifische therapeutische Wirkung zu haben. Da es sich bei Ketamin um ein Narkosemittel handelt, wurde für die Untersuchung als aktives Placebo ein anderes Narkosemittel eingesetzt.
Für die Studie wurden Menschen mit einer schweren Depression, die sich einer Operation unterziehen sollten, ausgewählt.
Während der Operation erhielten alle Teilnehmer eine chirurgische Anästhesie, die eine Hälfte bekam per Zufallsprinzip zusätzlich Ketamin, die andere Hälfte ein Placebo.

Der Vergleich der dreifachverblindeten Studie ergab, dass Ketamin dem aktiven Placebo nicht überlegen war.
Die Forscher schlussfolgern: "Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Ketamin für die kurzfristige Behandlung von MDD möglicherweise tatsächlich unwirksam ist.“

Sie führen aus, dass bei zukünftigen Studien aktive Placebos verwendet werden sollten:
"Zukünftige Studien zu neuartigen Antidepressiva mit akuter psychoaktiver Wirkung sollten stärkere Anstrengungen unternehmen, um die Behandlungszuweisung zu verschleiern, um die Auswirkungen der Probanden-Erwartungsverzerrung zu minimieren."


Orginalstudie: Randomized trial of ketamine masked by surgical anesthesia in patients with depression,
Quellenangabe: Lii, T.R., Smith, A.E., Flohr, J.R. et al. Randomized trial of ketamine masked by surgical anesthesia in patients with depression. Nat. Mental Health (2023). https://doi.org/10.1038/s44220-023-00140-x

Weiterer Artikel zur Studie: Ketamin gegen Depression – Update (20.10.2023) auf Arznei-News
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Gentests verbessern nicht die Wirksamkeit von Antidepressiva /Neues aus der Forschung

Gentests verbessern nicht die Wirksamkeit von Antidepressiva

Artikel: Kein Unterschied in der antidepressiven Wirksamkeit nach Gentests auf MIA (automatisierte deutsche Übersetzung einstellbar)

Eine Forschergruppe um Cornelis F. Vos und Sophie E. ter Hark am Radboud University Medical Center in Nijmegen, Niederlande, wollte herausfinden, ob die Auswahl von Antidepressiva anhand von Gentests zu besseren Ergebnissen bzgl. des Erreichens der therapeutischen Dosis, der Wirksamkeit sowie einer Reduktion der Nebenwirkungen führt. Für die siebenwöchige Studie mit trizyklischen Antidepressiva wurde per Zufallsprinzip bei der Hälfte der Patienten das Antidepressivum mithilfe eines zuvor durchgeführten Gentest (CYP2D6- und CYP2C19- Genotypen) ausgewählt. Bei der anderen Hälfte erfolgte die Auswahl nach klinischer Beurteilung.

Ergebnis:

Wirksamkeit: Es gab keinen signifikanten Unterschied zwischen den beiden Gruppen bzgl. der Verbesserung der depressiven Symptomen. Es sprachen jeweils nur 24 % der Teilnehmer auf das Antidepressivum an. (Dies liegt sogar unter dem Wert, den Placebos laut Studien erreichen können).

Erreichen der "therapeutische Plasmakonzentrationen“:
Bei beiden Gruppen erreichten ca. 80 % diesen Spiegel. Diejenigen, bei denen das Antidepressivum mithilfe eines Gentests ausgewählt wurde, erreichten diese Konzentration etwas schneller (im Durchschnitt nach 17 Tagen statt nach 22 Tagen).

Verringerung der Nebenwirkungen: Über den Studienzeitraum betrachtet gab es im Durchschnitt keinen Unterschiede bzgl. der Nebenwirkungen.
Diejenigen, deren Antidepressivum durch Gentests ausgewählt wurde, hatten in den ersten vier Wochen der Einnahme schwerwiegendere Nebenwirkungen, in der 5. bis 7. Woche weniger schwerwiegende Nebenwirkungen als die Vergleichsgruppe.

Schlussfolgerungen: Die Forscher werten dies als Anzeichen, dass die Auswahl durch Gentests die Dauer und/oder Schwere der Nebenwirkungen verringern kann. Belegt ist dies allerdings nicht.

Ungeachtet der Tatsache, dass die Auswahl des Antidepressivums auf Grundlage von Gentests nicht zu einer stärkeren Verbesserung der depressiven Symptome führte und es lediglich einen Hinweis darauf gibt, dass die Nebenwirkungen im Verlauf der Zeit milder sein könnten, ziehen die Forscher ein positives Fazit:

„Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine pharmakogenetisch informierte Dosierung trizyklischer Antidepressiva sicher angewendet werden kann und zu einer personalisierten Antidepressivum-Behandlung beiträgt.“



Originalstudie: Effectiveness of Genotype-Specific Tricyclic Antidepressant Dosing in Patients With Major Depressive Disorder 8. Mai 2023 auf JAMA Network Open (doi:10.1001/jamanetworkopen.2023.12443)
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Antibabypillen erhöhen das Depressionsrisiko / Neues aus der Forschung

Antibabypillen erhöhen das Depressionsrisiko

Eine Forschergruppe um Therese Johansson (Uppsala University) untersuchte in einer großen Kohortenstudie, ob die Einnahme von kombinierten Kontrazeptiva (Verhütungspille, die Gestagen und Östrogen enthält) das Risiko für Depressionen erhöht.

Sie stellten ein deutlich erhöhtes Auftreten von Depressionen während der ersten zwei Einnahmejahren fest. Bei erwachsenen Frauen betrug der Anstieg 92 % (knapp das Doppelte), bei jugendlichen Anwenderinnen sogar 130 % (mehr als das Doppelte).
Bei den erwachsenen Frauen ging das verstärkte Auftreten von Depressionen nach zwei Jahren zurück, auch wenn sie die Pille weiterhin einnahmen.

Bei jugendlichen Anwenderinnen blieb ein erhöhtes Depressionsrisiko auch nach dem Absetzen der Pille bestehen. Die Einnahme der Verhütungspille in der Jugend, kann das Risiko einer Depression im späteren Leben erhöhen.

Die Forscher kommen zu dem Schluss: "Ärzte und Patienten sollten sich dieses potenziellen Risikos bewusst sein, wenn sie OCs in Betracht ziehen, und es sollten individuelle Risiko-Nutzen-Abwägungen durchgeführt werden."
(OCs = orale Kontrazeptiva)

Quellen:
Studie: Population-based cohort study of oral contraceptive use and risk of depression veröffentlicht: Epidemiology and Psychiatric Sciences, 12 June 2023 (DOI: 10.1017/S2045796023000525)

Artikel: Depression durch Kontrazeptiva auf Arznei- News
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Antidepressiva zur Rauchentwöhnung / Neues aus der Forschung

Antidepressiva zur Rauchentwöhnung

Antidepressiva zur Rauchentwöhnung, Cochrane Database of Systematic Reviews, 24 Mai 2023

Einige Antidepressiva werden auch zur Unterstützung der Rauchentwöhnung eingesetzt.
Eine Forschergruppe um Anisa Hajizadeh wollte mit dieser Übersichtsarbeit (Review) herausfinden, ob es durch die Einnahme von Antidepressiva mehr Rauchern gelingt, für mindestens sechs Monate mit dem Rauchen aufzuhören und wie viele davon Nebenwirkungen haben.
Dieser Review umfasst 124 randomisiert kontrollierte Studien mit 48.832 Teilnehmenden, die mindestens sechs Monate andauerten.

Ergebnisse:

Bupropion:
Die Einnahme des Antidepressivums Bupropion erhöhte die Erfolgsaussichten mit dem Rauchen aufzuhören, um 49 % bis 72 % im Vergleich zu denjenigen, die kein Antidepressivum einnahmen. Das bedeutet, dass von hundert Personen, die versuchen mit dem Rauchen aufzuhören, es sechs bis acht Personen zusätzlich gelingt, sechs Monate oder länger rauchfrei zu bleiben.
Allerdings erhöht Bupropion möglicherweise das Risiko für schwerwiegende Nebenwirkungen, inkl. lebensbedrohliche Ereignisse, Krankenhausaufenthalt oder Tod. Die Nebenwirkungen können dazu führen, dass die Einnahme abgebrochen werden muss.

Nortriptylin:
Die Forscher fanden Hinweise darauf, dass auch Nortriptylin die Erfolgsaussichten einer Rauchentwöhnung verbessert, aber möglicherweise weniger gut als Bupropion. Über mögliche Nebenwirkungen von Nortriptylin bei der Rauchentwöhnung liegen nicht genügend Informationen vor.


Quellenangabe: Hajizadeh A, Howes S, Theodoulou A, Klemperer E, Hartmann-Boyce J, Livingstone-Banks J, Lindson N. Antidepressants for smoking cessation. Cochrane Database of Systematic Reviews 2023, Issue 5. Art. No.: CD000031. DOI: 10.1002/14651858.CD000031.pub6. Accessed 29 June 2023.

Infos zu Bupropion siehe: Steckbrief Bupropion
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Ältere Menschen und Antidepressiva: Nebenwirkungen überwiegen den Nutzen /Neues aus der Forschung

Bei älteren Menschen überwiegen die Nebenwirkungen den Nutzen von Antidepressiva


Sind Antidepressiva wirksam bei der Behandlung von Depressionen bei älteren Menschen? Eine kritische Übersichtsarbeit zu Reviews, Methoden und Zukunftsperspektiven

Älteren Menschen werden mehr Antidepressiva verordnet als allen anderen Altersgruppen, trotz eines hohen Risikos an Nebenwirkungen. In einer neuen Umbrella-Übersichtsarbeit über vorhandene Studien bewertet Michael F. Hvidberg kritisch die derzeitige Forschungslage zu Wirksamkeit und Nebenwirkungen von SSRI-Antidepressiva bei älteren Menschen.
In seine Arbeit bezog er nur qualitativ hochwertige randomisierte kontrollierte Studien (RCT) ein, die die Wirksamkeit von SSRIs bei Personen ab 55 Jahren untersuchten.

Er kommt zu folgendem Ergebnis:
Die Studien zeigten, wenn überhaupt, nur eine bescheidene Überlegenheit gegenüber Placebo in Bezug auf die Ansprechraten, und nur wenige Studien erreichten eine signifikante Remission*. Darüber hinaus gab es Hinweise auf eine geringere Wirksamkeit bei Patienten über 65 Jahren. Nebenwirkungen waren in den Studien, in denen über sie berichtet wurde, bei älteren Menschen häufig und problematisch. Die Beweiskraft für den Nutzen von Antidepressiva bei älteren Menschen war schwach und alternative Behandlungen werden empfohlen.
Eine der einbezogenen Übersichtsarbeiten (Topiwala et al. 2014) stellte fest:
....es gab eine Reihe von Nebenwirkungen von SSRIs, die bei älteren Patienten besonders relevant sind, wie z.B. Kardiotoxizität, Elektrolytstörungen und Neigung zu Blutungen, Stürzen und Frakturen, die bei der Behandlung älterer Menschen eine genaue Überwachung und Berücksichtigung erfordern.
Schlussfolgerung von Hvidberg:
Insgesamt scheinen die Nebenwirkungen auf der Grundlage der Evidenz die potenziell geringfügigen positiven Wirkungen von Antidepressiva bei älteren Menschen zu überwiegen.

Quelle: Hvidberg, M. F. (2023). Are antidepressants effective in the treatment of depression in the elderly? A critical umbrella review on reviews, methods, and future perspectives. Mental Health Science, 1(2), 85-103. https://doi.org/10.1002/mhs2.14

This is an open access article under the terms of the Creative Commons Attribution License, which permits use, distribution and reproduction in any medium, provided the original work is properly cited.


* signifikante Remission: bedeutsame vorübergehende oder dauernde Abschwächung der Symptome

Weiterer Artikel zur Studie: Studie kommt zu dem Schluss, dass die Risiken bei Antidepressiva bei älteren Menschen den Nutzen überwiegen - auf MIA
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Antidepressiva und Suizidalität / Neues aus der Forschung

Antidepressiva und Suizidalität

Die Notwendigkeit einer Antidepressiva-Behandlung wird häufig damit begründet, dass diese Suizide verhindern könnten, insbesonders bei Erwachsenen mit Depressionen. Zwei kürzlich veröffentlichte Studien belegen erneut, dass Antidepressiva Suiziden nicht vorbeugen bzw. das Suizidrisiko sogar erhöhen können.


Antidepressiva erhöhen Selbstmordversuche bei Jugendlichen; keine vorbeugende Wirkung (auf MIA)

Die Forscher untersuchten in dieser aktuellen Studie die Auswirkung einer SSRI-Antidepressiva-Behandlung auf die Suizidalität bei Menschen mit Depressionen. Sie werteten dafür die Daten von 162.267 Personen mit Depressionsdiagnose aus einem schwedischen Register aus.

Die Untersuchung ergab, dass SSRI das Risiko von Selbstmordversuchen bei Personen unter 18 Jahren um das Dreifache (je nach Analysemethode um das 2,9- bzw. 3,34-fache) und bei Personen im Alter von 18 bis 24 Jahren um das Doppelte (je nach Analysemethode um das 1,59- bzw. 2,01-fache) erhöhten.

Bei den über 25-Jährigen hatte die Einnahme eines SSRI keine Auswirkung auf die Suizidhäufigkeit. Das bedeutet, dass SSRI auch in dieser Altergruppe keine vorbeugende Wirkung bzgl. eines Suizids hatten. Auch bei Personen mit einer Vorgeschichte von suizidalem Verhalten verringerten SSRI das Risiko nicht.

Eine Einschränkung der Studie besteht darin, dass die Forscher den Ausgangsschweregrad der Depression nicht berücksichtigen konnten.


Originalstudie: Lagerberg, T., Matthews, A.A., Zhu, N. et al. Effect of selective serotonin reuptake inhibitor treatment following diagnosis of depression on suicidal behaviour risk: A target trial emulation. Neuropsychopharmacol. (2023). https://doi.org/10.1038/s41386-023-01676-3



In eine weiteren Forschungsarbeit wurde untersucht, inwieweit Studien zum Antidepressiva-Einsatz und Suizidrisiko selektiv in psychiatrischen Fachzeitschriften veröffentlicht werden:

Die Pro-Pharma-Publikationsverzerrung der psychiatrischen Fachzeitschriften verbirgt das Suizidrisiko von Antidepressiva (auf MIA)

Die Forscher Plöderl, Amendola und Hengartner kamen zu dem Ergebnis, dass "Studien, die in psychiatrischen Fachzeitschriften veröffentlicht wurden (typischerweise von Forschern mit finanziellen Verbindungen zur Pharmaindustrie), im Durchschnitt keinen Zusammenhang zwischen Antidepressiva und Selbstmord fanden. Studien, die in nichtpsychiatrischen Fachzeitschriften veröffentlicht wurden (normalerweise von unabhängigen Forschern) ergaben im Durchschnitt, dass Antidepressiva die Selbstmordrate erhöhten. Dies galt sowohl für den Tod durch Suizid als auch für Suizidversuche:" (Quellenangabe: MIA Artikel)

Die Qualität der Studien, die in psychiatrischen und nichtpsychiatrischen Fachzeitschriften veröffentlicht wurden, war nahezu identisch.

Die Forscher konnten keine einzige Studie finden, die die Annahme unterstützte, dass Antidepressiva Selbstmorde reduzieren.

Originalstudie: Plöderl, M., Amendola, S., Hengartner, M. P. (2023). Observational studies of antidepressant use and suicide risk are selectively published in psychiatric journals. Journal of Clinical Epidemiology. Published online August 04, 2023. https://doi.org/10.1016/j.jclinepi.2023.07.015
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