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Neues aus der Forschung

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Neues aus der Forschung

Eine in The Lancet Regional Health - Europe veröffentlichte Studie untersuchte die Einflussfaktoren für Depressionen bei Männern und Frauen mittleren und höheren Alters in Europa.

Artikel: Predictors of depression among middle-aged and older men and women in Europe: A machine learning approach

Das Ergebniss: Von den 56 untersuchten Variablen fanden Aichele und sein Team heraus, dass sowohl bei Männern als auch bei Frauen die soziale Isolation der wichtigste Risikofaktor für Depressionen ist.

Die nächsthäufigen Risikofaktoren waren ein allgemein schlechten Gesundheitszustand und Mobilitätsprobleme.
An vierter Stelle stand bei Frauen die familiäre Belastung und bei Männern "Schwierigkeit bei instrumentellen Aktivitäten des täglichen Lebens" ( z.B. Finanzen verwalten, Medikamenteneinnahme, telefonieren).

Zusammenfassung auf Deutsch: Einflussfaktoren für Depressionen bei Männern und Frauen auf Psylex
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Re: Neues aus der Forschung - Komplexe andauernde Benzodiazepinabhängigkeit


Komplexe andauernde Benzodiazepinabhängigkeit – Wenn die Verschreibung von Benzodiazepinen schief geht


Originalartikel: Complex Persistent Benzodiazepine Dependence—When Benzodiazepine Deprescribing Goes Awry Mai 2022 auf JAMA Psychiatry
Artikel auf Deutsch: Komplexe dauerhafte Benzodiazepinabhängigkeit – Wenn die Verschreibung von Benzodiazepinen schief geht auf Psylex.de

Das Absetzen von langjährig eingenommenen Benzodiazepinen führt oft zu schweren körperlichen Entzugserscheinungen wie Zittern und Bluthochdruck oder gefährlichen psychiatrischen Zuständen wie Depressionen und Suizidgedanken. Es kann zu einem oftmals sogar verstärkten Wiederauftreten der zugrundeliegenden Erkrankungen (z.B. Angstzustände, Schlaflosigkeit) kommen.

Ein Forscherteam der Oregon Health & Science University und des VA Portland Health Care System (Linda Peng, Thomas W. Meeks, Christopher K. Blazes) veröffentlichte in der Fachzeitschrift JAMA Psychiatry einen Artikel, der die "komplexe andauernde Benzodiazepinabhängigkeit (CPBD)" definiert und klinisch einordnet.

Blazes betont, dass Abhängigkeit nicht mit Sucht zu verwechseln ist. Dieser Unterscheidung trägt der Begriff der "komplexen andauernden Benzodiazepinabhängigkeit" Rechnung. Sie "definiert eine Form der physiologischen Abhängigkeit von Benzodiazepinen, die manchmal Verhaltensweisen beinhaltet, die mit einer Sucht übereinstimmen, sich aber erst während des Absetzprozesses entwickeln".

"Alle Patienten, die Benzodiazepine langfristig einnehmen, entwickeln eine physiologische Abhängigkeit von den Medikamenten, d.h. sie entwickeln eine Toleranz, die ansteigende Dosen erfordert, und es entstehen Entzugssymptome, wenn sie die Einnahme der Medikamente beenden."

zitiert nach Psylex.de
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Re: Neues aus der Forschung - Antidepressiva-induziertes Serotonin-Syndrom bei älteren Patienten

Antidepressiva-induziertes Serotonin-Syndrom bei älteren Patienten

Antidepressiva-induziertes Serotonin-Syndrom bei älteren Patienten: eine Querschnittsstudie auf Psychogeriatrics, Mai 2022

Artikel dazu: Antidepressiva-induziertes Serotonin-Syndrom eine Gefahr für ältere Menschen auf madinamerica.com

Ein Forscherteam um Neziha Erken untersuchte 238 ältere Patienten (Durchschnittsalter 75.4 ± 7.6 Jahre), die Antidepressiva einnahmen, auf Merkmale eines Serotoninsyndroms. Bei 60 Patienten (25,2 %) wurde ein Serotonin-Syndrom festgestellt, das als leicht bzw. mittelschwer eingestuft wurde. Die häufigsten Symptome waren Tremor und Hyperreflexie.

Frauen sowie Personen, die mindestens zwei Antidepressiva einnahmen, hatten ein doppelt so hohes Risiko. Das höchste Risiko eines Serotoninsyndroms hatten diejenigen, die ein SSRI und ein SNRI einnahmen (18-mal höheres Risiko). Bei der Kombination SSRI und Mirtazapin war das Risiko 4,82-fach erhöht, bei der Kombination Trazodon und Mirtazapin 2,41-fach erhöht. Auch eine höhere Dosis erhöhte das Risiko.

Die Forscher schlussfolgern: „Die weit verbreitete Einzel- oder Kombinationsanwendung von Antidepressiva bei älteren Menschen gibt Anlass zu erhöhter klinischer Besorgnis für das [Serotonin-Syndrom]. Daher sollten sich Ärzte dieser arzneimittelbedingten Komplikation bei älteren Patienten, die serotonerge Wirkstoffe, insbesonders Antidepressiva erhalten, bewusst sein.“

Sie schreiben: „Die Früherkennung dieser potenziell lebensbedrohlichen und leicht erkennbaren Komplikation kann diese anfälligen Patienten vor unnötigen Eingriffen, Polypharmazie, Verschreibungskaskade oder sogar Morbidität und Mortalität bewahren.“
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Re: Neues aus der Forschung

Ausgeprägte Gewichtszunahmen stationärer psychiatrischer Patienten unter Psychopharmaka: Daten aus dem AMSP-Projekt 2001–2016

Die Studie wurde am 27.06.2022 von der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft
veröffentlicht.

Die Einnahme von Psychopharmaka kann zu einer erheblichen Gewichtszunahme führen, was einen Risikofaktor u.a. für Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen darstellt.
Forscher des Arzneimittelsicherheitsprojekts (AMSP) werteten die Daten von 344 stationären Patienten mit ausgeprägter Gewichtszunahme aus. 33 % der Patienten nahmen mehr als 20 kg zu.

Am häufigsten wurden Antipsychotika angeschuldigt (89,2 %), eine ausgeprägte Gewichtszunahme verursacht zu haben, gefolgt von Antidepressiva (21,2 %), Antikonvulsiva (12,5 %) und Lithium (4,1 %). Olanzapin fällt bei den Antipsychotika als besonders häufig genannt auf.

Die Forscher (Schneider, M., Grohmann, R., Heinze, M. & Greiner, T.) ziehen folgendes Fazit:
Eine ausgeprägte Gewichtszunahme unter Psychopharmaka verschlechtert die Lebensqualität der betroffenen Patienten, verkürzt die Lebenszeit und vermindert die Therapieadhärenz [Anmerkung: bedeutet die Einhaltung der gemeinsam von Patient und Behandler gesetzten Therapieziele im Rahmen des Behandlungsprozesses]. Daher muss eine konsequente Gewichtsüberwachung von Beginn an erfolgen.
Bei einer Gewichtszunahme von > 10 % muss die auslösende Substanz abgesetzt werden, es sei denn, es besteht eine zwingende medizinische Notwendigkeit für die Weiterführung.
Quelle (PDF)
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