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Lexikon Fachbegriffe

Grundlegende Informationen zu verschiedenen Arten von Psychopharmaka
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Lexikon Fachbegriffe

,Hier findet ihr kurze Erläuterungen zu Fachbegriffen, die im Forum öfters verwendet werden. Nach und nach werden weitere Einträge hinzu kommen.
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Informationen zu Psychopharmaka findet ihr in den Steckbriefen

An dieser Stelle bedanken wir uns herzlich bei LinLina und padma, die viel Arbeit in dieses Lexikon gesteckt haben!


Übersicht:

Aa - Ak Abhängigkeit, Absetzgrippe, Absetzsyndrom, Acetylcholin, Agonist/Antagonist, Akathisie
Al - Az Altostrata, anticholinerg, Antidepressiva, Ashton Manual
B Benzodiazepine, Benzodiazepin-induzierte neurologische Dysfunktion, Bioverfügbarkeit, Brain Fog, Brain Zaps
C Chemisches Ungleichgewicht, circardian, Cortisol

D Depersonalisation/Derealisation, Dopamin, Doppelblindstudie, Dyskinesie
E Enthemmtes Alarmsystem, "Entzug-Normal" Zustand, Enzymatischer Abbau, Eustress
F Flitterwochen Effekt

G GABA (Gamma-Aminobuttersäure), Generikum, Genotypisierung, "Gereiztes" Zentrales Nervensystem, Glutamat
H Halbwertszeit, Histamin-Intoleranz, Homöostase, Hyperbolische Dosisreduktion
I iatrogen, Interaktion (Arzneimittel)
J

K Kaltentzug, Kindling Effekt, Kumulation
L Leitlinien (medizinische),
Ma - Mh Malignes neuroleptisches Syndrom, Medication spellbinding, Metaanalyse, Metabolische Nebenwirkungen, Metabolit
Mi - Mz Monoaminooxidase-Hemmer

Na - Ne Neuroadaption, Neuro-Emotionen, Neuroleptika, Neuroleptische Potenz, neurophysiologisch, Neuroplastizität, Neurotransmitter
Nf - Nz Noradrenalin, Number needed to treat/Number needed to harm
O Off-Label-Use
Pa - Pl Paradoxe Reaktion, Phasenprophylaktika, Placebo, - effekt
Pm - Pz poop-out, Protrahierter Entzug, Prozac Bridge, PSSD (Post-SSRI Sexual Dysfunction), Publikationsbias

Q QT-Verlängerung
R Randomisierte kontrollierte Studie, Rebound Symptome, retard, Review, Rezeptor
Sa - Se Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, Selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer, serotonerg, Serotonin, Serotoninsyndrom, Serotonintransporter
Sf - Sz Signifikanz, Skills, Steady State, Supersensitivitätspsychose, Symptomtrigger, Synapse/ Synaptischer Spalt

T Tapering, Trizyklische Antidepressiva
U
V Vegetatives Nervensystem

W Wellen und Fenster
XY
Z Z-Drugs, Zentralnervensystem
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Re: Lexikon Fachbegriffe

Aa - Ak

Abhängigkeit, Absetzgrippe, Absetzsyndrom, Acetylcholin, Agonist/Antagonist, Akathisie


Begriff
Abhängigkeit

Synonyme
Gewöhnung, körperliche/psychische Abhängigkeit, Sucht

Erklärung
Beim Absetzen vieler Medikamente, insbesondere bei Psychopharmaka aber auch bei Cortison und Beta-Blockern, treten aufgrund der Anpassung des Körpers an die regelmäßig zugeführte Substanz verschiedene Entzugssymptome auf. Zudem kann es zu einer Toleranzentwicklung kommen, das bedeutet die Wirksamkeit lässt trotz gleichbleibender Dosis nach. Dies entspricht einer körperlichen Abhängigkeit.

Psychische Abhängigkeit (Sucht) beinhaltet unter anderem das starke Verlangen, die entsprechende Substanz immer wieder zuzuführen (sog. Craving) und teilweise Kontrollverlust.

Der Sinn der grundlegenden Unterscheidung in suchterzeugende Benzodiazepine und „nur“ Absetzerscheinungen erzeugende Medikamente wie Antidepressiva und Neuroleptika ist aber aufgrund unserer Erfahrungen mehr als fraglich.

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Begriff
Absetzgrippe

Abkürzung
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Synonyme
Entzugsgrippe, Paxil Flu, Benzo Flu

Erklärung
Unter einer Absetzgrippe versteht man entzugsbedingte Symptome, die einer Grippe sehr ähneln. Dazu gehören z.B. laufende / verstopfte Nase, Halsschmerzen, Reizhusten/ trockener Husten/ Räuspern, Schmerzen, fiebriges Gefühl,Grippe-Gefühl. Fieber ist möglich, tritt aber eher selten auf.

Bei einer Absetzgrippe handelt es sich nicht um einen echten Infekt. Im Einzelfall kann es schwierig sein, eine Absetzgrippe von einem Infekt zu unterscheiden.

Die Absetzgrippe wird auch als Paxil Flu (Flu,englisch für Grippe) bezeichnet, weil sie erstmalig beim Absetzen von Paroxetin (Paxil) beschrieben wurde. Auch beim Absetzen von Benzodiazepinen kann eine Absetzgrippe auftreten, sie wird als Benzo Flu bezeichnet.

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Absetzsyndrom/-erscheinungen/-symptome

Synonyme
Entzugserscheinungen, Entzugssyndrom, Entzugssymptome

Erklärung
Gesamtheit an Symptomen, die durch das Reduzieren oder vollständige Absetzen von Psychopharmaka neu auftreten oder sich verstärken. Absetzsymptome können sowohl kurz nach der Reduktion auftreten oder auch erstmals nach Wochen oder sogar Monaten auftauchen. In schweren Fällen können sie lange andauern und die Betreffenden in ihrer Lebensqualität stark einschränken. Der biochemische Hintergrund ist nicht genau bekannt. Ursache ist aber wahrscheinlich die verzögerte Anpassung verschiedener Rezeptoren an die Dosisveränderung und eine daraus folgende Instabilität.

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Begriff
Acetylcholin

Abkürzung
ACh

Synonyme
Azetylcholin, Vagusstoff, (englisch: acetylcholine)

Erklärung
Acetylcholin ist ein biogenes Amin und spielt als Neurotransmitter eine zentrale Rolle bei der Regulation vieler Körpervorgänge. Er befindet sich sowohl im zentralen als auch peripheren Nervensystem. Im peripheren Nervensystem vermittelt Acetylcholin die Erregungsübertragung von den Nerven auf die Muskeln. Im zentralen Nervensystem spielt Acetylcholin eine wichtige Rolle bei der Erhöhung der Aufmerksamkeit beim Aufwachen, Aufrechterhaltung von Aufmerksamkeit, Lernen und dem Bilden von Erinnerungen.

Acetylcholin wirkt an zwei Typen von cholinergen Rezeptoren, dem nicotinischen Acetylcholinrezeptor und dem muskarinischen Acetylcholinrezeptor.

Das anticholinerge Syndrom wird als Nebenwirkung durch anticholinerg wirkende Medikamente hervorgerufen. Zu diesen gehören z.B. Propofol, Neuroleptika, Atropin, Antihistaminika, Benzodiazepine, trizyklische Antidepressiva sowie Opiate. Dabei kommt es zur weitgehenden Ausschaltung des Parasympathikus.

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Begriff
Agonist/Antagonist

Erklärung

Agonist (altgriechisch agonistēs „der Tätige, Handelnde") bezeichnet in der Pharmakologie eine Substanz (Ligand), die durch Besetzung eines Rezeptors die Signalübermittlung in der zugehörigen Zelle aktiviert.

Ein Agonist kann sowohl eine körpereigene Substanz sein (z.B. Hormon, Neurotransmitter) als auch ein nicht-körpereigener Wirkstoff, der einen bestimmten Botenstoff in seiner Wirkung nachahmt bzw. ersetzt, in dem er an seinen Rezeptor bindet und dadurch die gleiche Reaktion auslöst, wie der Neurotransmitter selbst.

Agonismus ist das Wirkprinzip von Medikamenten, die als Ersatz eingesetzt werden, wenn die körpereigene Transmittersubstanz fehlt oder vermindert ist (z.B. L-Dopa bei Dopaminmangel). Psychopharmaka benutzen dieses Wirkprinzip um die Signalübertragung zu verstärken.

Von einem Partialagonisten spricht man, wenn der Transmitter in seiner Wirkung nur teilweise nachgeahmt oder ersetzt wird.

Als Antagonisten (altgriechisch antagōnistēs = Nebenbuhler, Feind) bezeichnet man eine Substanz, die die Wirkung eines Agonisten hemmt.

In der Pharmakologie bezeichnet Antagonist eine Substanz, die die Wirkung eines chemischen Stoffes (z.B. eines Neurotransmitters), dadurch verhindert, dass sie an seinen Rezeptor bindet und diesen blockiert. Ein Antagonist löst selbst keine pharmazeutisch bedeutsame Wirkung aus.

siehe auch "Neurotransmitter", "Rezeptor"

Weiterführende Links


Begriff
Akathisie

Abkürzung
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Synonyme
Sitzunruhe, (engl. akathisia)

Erklärung
Akathisie ist ein Gefühl der massiven inneren Unruhe, das als sehr quälend empfunden wird. Akathisie kann sich als körperliches Unbehagen oder als Unfähigkeit zum stillen Sitzen, Stehen oder Liegen zeigen. Sie kann auch weniger offensichtlich sein und sich als konstantes und störendes Unbehagen im Geist, bis hin zu einer intensiven emotionalen Aufruhr zeigen. Die Betroffenen leiden oft unter innerem als auch motorischem Getriebensein und tigern ruhelos umher.

Akathisie wird oft irreführend als Bewegungsstörung beschrieben, aber es gibt keine unwillkürlichen Bewegungen wie bei tardiver Dyskinesie oder Parkinsonismus. Sie bildet sich normalerweise auch wieder zurück.

Akathisie ist eine komplexe Nebenwirkung von verschiedenen psychotropen Substanzen einschließlich Antidepressiva und Neuroleptika. Sie kann innerhalb von Stunden nach Beginn der Behandlung auftreten, oder erst nach Wochen oder Monaten. Auch bei Dosisänderungen und beim Absetzen kann eine Akathisie auftreten.

Als Symptome können u.a. auftreten: Unruhe; Angst; Panikattacken; Schlafstörungen; Gefühl der Notwendigkeit, sich zu bewegen (Bewegungsdrang); Gefühl aus der Haut springen zu wollen; dunkle und unangenehme Gedanken; konstante Ruhelosigkeit, das Gefühl emotional unruhig oder unzufrieden mit dem Leben zu sein; emotionales Aufgewühltsein; Zittrigkeit; aggressive Impulse; Suizidalität.

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Re: Lexikon Fachbegriffe

Al - Az


Altostrata, anticholinerg, Antidepressiva, Ashton Manual,



Begriff
Altostrata

Synonyme
Kate, Adele Framer

Erklärung
„Altostrata“ oder auch „Kate“ sind Pseudonyme einer vom Langzeit-Entzugssyndrom betroffenen US-Amerikanerin (Adele Framer). Sie ist Gründerin der Webseite Surviving Antidepressants, wo Betroffene Informationen und Unterstützung zum Absetzen von Antidepressiva bekommen.
Altostrata hat sich umfassend mit der Problematik des Entzugssyndroms beschäftigt und wesentlich dazu beigetragen, dass dieses Thema in der Fachwelt und in der Öffentlichkeit diskutiert wird.


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Begriff
anticholinerg


Erklärung
Als anticholinerg bezeichnet man in der Medizin (Neben-)Wirkungen, die sich aus der Hemmung des Neurotransmitters Acetylcholin ergeben. Acetylcholin spielt sowohl im zentralen Nervensystem sowie in Teilen des peripheren Nervensystems, zum Beispiel des Parasympathikus, eine Rolle.

Viele Psychopharmaka haben anticholinerge Nebenwirkungen, die leicht aber auch sehr schwerwiegend sein können.
Anticholinerge Nebenwirkungen betreffen den Mund-Rachen-Raum (Mundtrockenheit, verminderte Speichelbildung), die Augen (Sehstörungen, trockene Augen), den Magen-Darm-Trakt (Obstipation), die Harnwege (Störungen beim Wasserlassen, sog. Miktionsstörungen), das Herz, die Haut und Temperaturregelung, sowie das ZNS.
Zumeist können viele oder alle Körperschleimhäute ausgetrocknet werden, weil die Drüsenaktivität reduziert ist.
Es kann u.a. zu Angst, Verwirrtheit, kognitiven Einschränkungen, Krampfanfällen, Halluzinationen, Delirum, Koma kommen.

Psychopharmaka mit einer sehr starken anticholinergen Belastung sind u.a. : Amitriptylin, Clomipramin, Clozapin, Doxepin, Imipramin, Levomepromazin, Nortriptylin, Trimipramin.
Eine mittelstarke Belastung haben u.a. Carbamazepin, Haloperidol, Olanzapin, Opipramol, Paroxetin, Quetiapin.

Werden mehrere anticholinerge Medikamente eingenommen, verstärkt sich die anticholinerge Belastung.

Anticholinerge Medikamente stehen mit einem erhöhtem Demenzrisiko in Verbindung.
Generell sollten alle älteren Patienten, sowie diejenigen, die bereits von Nebenwirkungen betroffen sind, die anticholinerg hervorgerufen werden können, als Risikopatienten gelten

siehe auch: "Acetylcholin"

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Begriff
Antidepressiva

Abkürzung
AD

Synonyme
Stimmungsaufheller

Erklärung
Psychopharmaka, die vor allem gegen Depressionen, inzwischen aber auch bei einer Vielzahl anderer psychischer und körperlicher Symptome eingesetzt werden. Ihre Effizienz ist umstritten, insbesondere bei leichten und mittleren Depressionen ist die Wirksamkeit nicht eindeutig nachgewiesen.
Dagegen nimmt weltweit die Anzahl an Menschen, die unter Nebenwirkungen und Absetzschwierigkeiten leiden, massiv zu.
Es gibt verschiedene Klassen von Antidepressiva, die nach ihrem Wirkmechanismus (SSRI, SNRI) oder der chemischen Struktur (Trizyklika) benannt sind.

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Begriff
Ashton Manual

Erklärung
Das Ashton Manual ist eine 1999 von Prof. Heather Ashton verfasste Anleitung zum Absetzen von Benzodiazepinen. Es wird zunächst die Umstellung auf Diazepam und darauf folgend eine schrittweise Reduktion alle 1-4 Wochen empfohlen.

Erfahrungsgemäß ist das Absetzen nach Ashton eine gute Richtlinie. Allerdings ist die Höhe der Äquivalenzdosis recht hoch angesetzt, oft reicht etwas weniger Diazepam aus, dies muss individuell ausgetestet werden. Zudem müssen manche Menschen gerade im unteren Bereich der Absetzphase noch langsamer bzw. in kleineren Schritten vorgehen.
Zitat: „Die Rate der Dosis-Reduktion sollte niemals rigide, sondern stets flexibel sein und unter Kontrolle des Patienten und nicht des Arztes stehen und zwar angepasst an die individuellen Bedürfnisse des Patienten, die von Fall zu Fall unterschiedlich sein können.“

Der Einsatz von modernen Antidepressiva (SSRI/SRNI/Mirtazapin) als sog. Absetzhilfe kann sich in der Praxis sogar als gefährlich erweisen, weil dadurch Entzugserscheinungen nur überdeckt werden und man die Probleme dann häufig nur zeitlich verschoben beim Absetzen der AD erlebt, evtl. gemischt mit einer AD-Absetzproblematik.

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Re: Lexikon Fachbegriffe

B

Benzodiazepine, Benzodiazepin-induzierte neurologische Dysfunktion, Bioverfügbarkeit, Brain Fog, Brain Zaps


Begriff
Benzodiazepine

Abkürzung
Benzos

Erklärung
Benzodiazepine gehören zur Gruppe der Angst- und spannungslösende Medikamente (Anxiolytika, Tranquilizer) und werden sehr häufig bei Unruhezuständen und Schlafstörungen eingesetzt. Je nach Substanz überwiegt die muskelentspannende, die sedierende oder die angstlösende Wirkung. Benzos wirken vor allem auf GABA-Rezeptoren, der wichtigsten hemmenden Komponente des zentralen Nervensystems.

Aufgrund der schnell eintretenden Wirkung und einer raschen Gewöhnung des Stoffwechsels an die Substanz tritt sehr schnell körperliche und/oder psychische Abhängigkeit ein. Es besteht auch die Gefahr einer Toleranzentwicklung, d.h. trotz gleichbleibender Dosis lässt die Wirkung nach und es treten Entzugserscheinungen auf.

Das Absetzen von Benzodiazepinen sollte langsam und schrittweise vorgenommen werden. Ein schneller Entzug in einer Klinik empfiehlt sich meist nicht, da dem Körper nicht genug Zeit gegeben wird sich an die geringere Dosis zu gewöhnen. Zudem werden oft Ersatzmedikamente eingesetzt, die dann ihre eigene Absetzproblematik und Nebenwirkungen mit sich bringen. Bei Benzos mit kurzer Halbwertszeit (z.B. Lorazepam, Alprazolam, Oxazepam) empfiehlt sich eine vorherige Umstellung auf Diazepam.

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Begriff
Benzodiazepin-induzierte neurologische Dysfunktion

Abkürzung
BIND

Synonyme
engl. Benzodiazepine-Induced Neurological Dysfunction

Erklärung
Der Begriff "Benzodiazepin-induzierte neurologische Dysfunktion" umfasst alle Symptome, die durch den Konsum von Benzodiazepinen bedingt auftreten können. Die Symptome können während der Einnahme (z.B. Toleranzsymptome), während des Ausschleichens (Entzugssymptome) und/oder nach dem kompletten Absetzen (protahierte Entzugssymptome) auftreten.
Die Symptome können neurophysiologischer und/oder psychischer Art sein, sie können moderat bis schwerwiegend sein und können auch nach dem Absetzen noch länger anhalten (Monate, länger als ein Jahr, mehrere Jahre).

Als Ursache werden neuroadaptive Prozesse angenommen, möglicherweise auch eine anhaltende neurotoxische Wirkung der Benzodiazepine. Es gibt Hinweise darauf, dass BIND bei jedem fünften Langzeitanwender von Benzodiazepinen auftreten könnte. Die Risikofaktoren sind nicht bekannt.

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Begriff
Bioverfügbarkeit

Erklärung
Bioverfügbarkeit ist eine pharmakologische Messgröße, die angibt, wie schnell und in welchem prozentualen Umfang der Stoff (meistens Arzneistoff) aufgenommen wird und am Wirkort unverändert zur Verfügung steht.

Bei Medikamenten die intravenös verabreicht werden, ist die Bioverfügbarkeit definitionsgemäß 100%.
Wird ein Medikament durch den Mund eingenommen, wird der Wirkstoff bei manchen Medikamenten bei der ersten Leberpassage (First Pass Effekt) teilweise abgebaut, bevor er am Zielort ankommt. Dies führt zu einer Verringerung der Bioverfügbarkeit.

Die Bioverfügbarkeit kann bei unterschiedlichen Generika mit dem gleichen Wirkstoff voneinander abweichen. Setzt man das Orginalpräparat als Vergleichsgrösse mit 100 % an, so darf die Bioverfügbarkeit eines Generikums zwischen 80 und 125 % liegen. Dies kann ein Grund dafür sein, dass Herstellerwechsel manchmal nicht gut vertragen werden.

Die Bioverfügbarkeit kann bei Menschen mit eingeschränkter Leberfunktion und bei älteren Menschen ansteigen, da die Leber nicht mehr voll funktionsfähig ist. Die Einnahmedosis sollte bei den Betroffenen entsprechend verringert werden, damit es nicht zu einer gefährlichen Überdosierung kommt.

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Begriff
Brain Fog

Abkürzung
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Synonyme
"Gehirnnebel"

Erklärung
Der Begriff Brain Fog kommt aus dem Englischen und bedeutet übersetzt Gehirnnebel. Brain Fog ist keine medizinische Diagnose, der Begriff umfasst eine Summe von Symptomen, die von Konzentrationsproblemen über Antriebslosigkeit und mangelndem Fokus bis hin zu Unwirklichkeitsgefühlen reichen können.

Symptome können u.a. sein: Gefühl als wäre das Gehirn „in Watte gepackt“, Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, depressive Verstimmung, Gedächtnisprobleme, schlechtes Auffassungsvermögen, Orientierungsprobleme, Wortfindungsprobleme, sich „betrunken“ fühlen, Stimmungsschwankungen.

Brain Fog ist ein mögliches Absetzsymptom. Als Absetzsymptom kann es zwar länger anhalten, vergeht aber wieder von selbst.
Es gibt auch diverse andere Ursachen für Brain Fog, wie z.B. Flüssigkeitsmangel, Nährstoffmangel, Schlafmangel, Stress, Entzündungen.

Weiterführende Links
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Begriff
Brain Zaps

Synonyme
Zaps, Stromschläge im Gehirn

Erklärung
Gefühl, eine Art Stromschlag im Gehirn zu bekommen, der bei manchen in Gesicht und Extremitäten ausstrahlt. Stress, aber auch Entzug von SSRI/SNRI kann Brain Zaps auslösen. Die genaue Ursache ist nicht bekannt. Dieses elektrisierende oder vibrierende Gefühl kann von Geräuschwahrnehmung (z.B. Rauschen) und optischen Beeinträchtigungen begleitet sein. Die Zaps können sehr häufig oder selten, extrem schwer oder ganz leicht auftreten.
Kein anderes Symptom verweist derart zuverlässig auf ein Absetzsymptom / Absetzsyndrom wie Zaps. Diese sind eine sehr spezielle Erscheinung beim AD-Absetzen und von keiner anderen Medikamentengruppe außer psychoaktiven Wirkstoffen bekannt. Zaps sind ein verlässlicher Indikator für falsches / zu schnelles Absetzen.

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Re: Lexikon Fachbegriffe

C

Chemisches Ungleichgewicht, circardian, Cortisol,


Begriff
Chemisches Ungleichgewicht

Erklärung
Ein Erklärungsversuch zur Entstehung von psychischen Erkrankungen ist die Annahme, es bestehe ein Ungleichgewicht bzw. ein Mangel bei bestimmten Neurotransmittern.
Trotz jahrzehntelanger Forschung konnte diese Annahme bisher nicht bestätigt werden. Sie dient jedoch vielen Ärzten, der Pharmaindustrie und der Öffentlichkeit zur Rechtfertigung der oft jahrelangen Anwendung von Psychopharmaka. Beispiele sind der angebliche Serotoninmangel bei Depressionen und die Dopaminhypothese zur Entstehung von Schizophrenie.
Der Mythos vom chemischen Ungleichgewicht setzt Patienten massiv unter Druck, ihren Hirnstoffwechsel „korrigieren“ zu lassen. Oft wird dabei irreführend der Vergleich zur Insulinbehandlung bei Diabetes genannt.
Die Langzeiteinnahme von Psychopharmaka führt jedoch oft erst recht zu einer Verschlechterung des Zustandes und zu „abnormen“ Neurotransmittersystemen, die sich zum Teil nur sehr langsam wieder normalisieren.

Weiterführende Links


Begriff
circadian

Abkürzung
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Synonyme
zirkadian

Erklärung
Cicardian (lateinisch circa „um …herum“, dies „Tag“), eingedeutscht zirkadian bedeutet tagesrhythmisch.
Ein zirkadianer Rhythmus bezeichnet z.B. die Schwankungen von Körperfunktionen, die durch äußere (Tag-Nacht-Wechsel) oder innere (Hormone) Einflüsse gesteuert werden. Beispiele sind Schwankungen der Herzfrequenz, des Schlaf-Wach-Rhythmus, des Blutdrucks und der Körpertemperatur.

Auch die Ausschüttung von Corisol unterliegt einem zirkadianen Rhythmus. In den Morgenstunden ist die Cortisolausschüttung am höchsten, danach fällt sie sehr rasch ab, um Mitternacht ist sie am niedrigsten.

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Begriff
Cortisol

Synonyme
Kortisol, Hydrokortison, Hydrocortison

Erklärung
Cortisol, oft fälschlicherweise Cortison genannt (Cortison ist die inaktive Form von Cortisol), ist ein Stresshormon und wird in der Medizin vor allem zur Entzündungshemmung und Immunsuppression genutzt.
Der Körper schüttet es in Stresssituationen aus und aktiviert damit abbauende Stoffwechselvorgänge.

Der normale Cortisolspiegel im Körper weist einen zirkadianen Verlauf auf. Während der Nacht sinkt die Cortisolproduktion stark ab, am Morgen kommt es zu einem starken Anstieg des Cortisolspiegels. Dies ist eine mögliche Erklärung dafür, dass es bei von einem Entzugssyndrom Betroffenen am frühen Morgen zu schreckhaftem Erwachen mit Unruhe, Panik und Symptomverstärkung kommen kann.

Die Anwendung (Tabletten oder Injektion) von Cortisol wird von vielen Betroffenen im Entzug nicht mehr gut vertragen. Auch bei gesunden Menschen können (bei Injektionen häufiger als bei Tabletten) starke Unruhe- und Erregungszustände auftreten.

Bei Anwendung von Cortisol über einen längeren Zeitraum und/oder in höheren Dosierungen sollte das Präparat langsam ausgeschlichen werden um überschießende Reaktionen und andere Absetzsymptome zu vermeiden.

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Re: Lexikon Fachbegriffe

D

Depersonalisation/Derealisation, Dopamin, Doppelblindstudie, Dyskinesie,


Begriff
Depersonalisation/Derealisation

Abkürzung
DP/DR

Synonyme
Depersonalisierungserleben/Derealisationserleben

Erklärung
Depersonalisation bezeichnet einen Zustand der Selbstentfremdung. Betroffene erleben sich selbst als fremdartig oder unwirklich. Dazu gehören z.B. Wahrnehmungsveränderungen, gestörtes Zeitempfinden, unwirkliches oder abwesendes Selbst, emotionales und/oder körperliches Abgestumpftsein.

Derealisation bezeichnet die Erfahrungen der Unwirklichkeit oder des Losgelöstseins bezüglich der Umgebung. Objekte, Menschen oder die gesamte Umgebung werden als fremd, unvertraut, unwirklich, roboterhaft, fern, künstlich, zu klein oder zu groß, farblos oder leblos erlebt.

DP/DR können einzeln oder zusammen im Rahmen des Absetzprozesses auftreten. Sie können sehr belastend und ängstigend sein.

Eine mögliche Erklärung für das Auftreten als Absetzsymptom ist, dass das Zentrale Nervensystem durch den Entzug so belastet ist, dass es zu wenig Kapazität hat, alle Prozesse aufrechtzuerhalten. Als "Schutzmaßnahme" fährt es nicht lebensnotwendige Aufgaben herunter, um das System nicht noch mehr zu überlasten.

Weiterführende Links

Begriff
Dopamin

Erklärung
Wichtiger Neurotransmitter im zentralen Nervensystem. Er steuert vor allem Motivation und Antrieb. Der Dopaminspiegel wird von vielen Psychopharmaka beeinflusst. Insbesondere Neuroleptika hemmen die Übertragung von Dopamin im Gehirn und wirken daher antriebsmindernd und sedierend. Antidepressiva sollen die Menge an Dopamin erhöhen und somit antriebssteigernd wirken. Auch viele Nebenwirkungen oder Entzugserscheinungen wie das Restless-Leg-Syndrom, Akathisie ("Sitzunruhe") und andere extrapyramidale (motorische) Störungen stehen wahrscheinlich im Zusammenhang mit Dopamin.

Weiterführende Links
Begriff
Doppelblindstudie

Synonyme
doppelt verblindete Studie, Doppelmaskenstudie, Doubleblind-Studie (engl. doubleblind study)

Erklärung
Eine Doppelblindstudie ist eine randomisierte kontrollierte Studie, bei der ein Teil der Patienten ein bestimmtes Medikament erhält, ein anderer Teil zur Kontrolle ein Scheinmedikament (Placebo). Die beiden Gruppen werden per Zufallsprinzip zusammengestellt (randomisiert).

Weder der Versuchsleiter (z.B. Arzt) noch der Studienteilnehmer (z.B. Patient) wissen, ob der Patient eine tatsächliche Behandlung (z.B. Medikament) oder eine Scheinbehandlung (z.B. Placebo) erhält. Beide sind also diesbezüglich "blind".
So soll die Wirksamkeit der Behandlung nachgewiesen werden.

Bei einer Einfachblindstudie weiß lediglich der Patient nicht, welcher Gruppe er zugeordnet wurde. Der Arzt weiß Bescheid.

Weiterführende Links
* Doppelblindstudie - DocCheck Flexikon
* Blindstudie - Wikipedia


Begriff
Dyskinesie

Abkürzung
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Synonyme
Frühdyskinesie: initiale Dyskinesie
Spätdyskinesien: tardive Dyskinesie, Dyskinesia tarda

Erklärung
Dyskinesie bezeichnet eine Störung eines Bewegungsablaufs. Es gibt verschiedene Arten und Ursachen von Dyskinesien.
Als Nebenwirkung von Neuroleptika können Frühdyskinesie und Spätdyskinesien auftreten. Sie werden beide zu den Störungen des extrapyramidalmotorischen Systems gezählt. Im Allgemeinen gilt, dass hochpotente Neuroleptika diese Nebenwirkungen öfter als niederpotente Neuroleptika verursachen.

Unter einer Frühdyskinesie versteht man eine Bewegungsstörung, die als Nebenwirkung eines antidopaminerg wirkenden Medikamentes (z.B. Neuroleptikum) auftritt - meist in der ersten Woche nach Behandlungsbeginn. Sie zeigt sich meist in Form von Tremor, schmerzhaften Zungen-, Schlund- und Blickkrämpfen sowie Sitzunruhe. Frühdyskinesien können mäßig bis gut mit Anticholinergika behandelt werden.

Spätdyskinesien sind Bewegungsstörungen, die nach einer Langzeittherapie mit einem antidopaminerg wirkenden Medikamentes (z.B. Neuroleptika) auftreten können. Sie zeigen sich durch sich wiederholende, kaum oder gar nicht beeinflussbare Bewegungen, im Gesichtsbereich (Zuckungen, Schmatz- und Kaubewegungen, Grimassieren) oder unwillkürliche Bewegungsabläufe der Gliedmaßen. Spätdyskinesien sind nach langfristiger Einnahme von Neuroleptika häufig irreversibel.

Als Entzugsdyskinesie werden motorische Entzugserscheinungen bezeichnet, die beim Absetzen von Neuroleptika ausgelöst werden können. Bekannt sind u.a. verstärktes oder erstmalig auftretendes Muskelzittern, Hyperkinesien und Dystonien wie zum Beispiel Zungen-Schlund-Syndrome. Der Fachliteratur zufolge reagieren bis zu 22 % der Betroffenen auf das Absetzen mit einer Entzugsdyskinesie.

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Re: Lexikon Fachbegriffe

E

Enthemmtes Alarmsystem, "Entzug-Normal" Zustand, Enzymatischer Abbau, Eustress


Begriff
Enthemmtes Alarmsystem

Abkürzung
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Synonyme
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Erklärung
Der Begriff "Enthemmtes Alarmsystem" stammt aus einer Theorie über das Antidepressiva-Absetzsyndrom.
Er beschreibt einen entzugsbedingten Zustand, in dem der Organismus in beständiger Alarmbereitschaft ist. Dies drückt sich in Symptomen wie Angst, lang anhaltende Panikzustände, Schlaflosigkeit, Reizbarkeit, innere Unruhe, Schreckhaftigkeit, Hochschrecken beim Einschlafen etc. aus. Die Angst kann völlig irrational sein, sie kann selbst vor vertrauten Personen oder Räumlichkeiten bestehen. Da diese Angst neurophysiologisch bedingt ist, ist sie durch übliche Methoden (z.B. Entspannungsübungen) nur begrenzt zu beeinflussen.

Ursachen des "Enthemmten Alarmsystems":
Auf die Einnahme eines Antidepressivums, das den Serotoninspiegel zwischen den Nervenzellen erhöhen soll, reagiert das Gehirn u.a. mit einer Herunterregulierung der Serotoninrezeptoren. Nach dem Absetzen müssen diese Rezeptoren wieder hergestellt werden.
Während der Reparaturphase des Serotoninsystems gerät jedoch das vegetative Nervensystem aus dem Gleichgewicht. Das „Flucht oder Kampf“-Zentrum im Gehirn wird enthemmt. Es kommt zudem zu einer Übererregbarkeit des Glutamat-Systems. Glutamat ist ein wichtiger erregender Neurotransmitter im zentralen Nervensystem, Fehlfunktionen des Glutamat-Systems können zu innerer Unruhe, Schlafstörungen etc. führen.

Laut anerkannter Erkenntnisse über die Neuroplastizität kann das Nervensystem sich selbst regenerieren und eine weitgehend normale Funktion zurück erlangen.

Weiterführende Links


Begriff
"Entzug-Normal" Zustand

Abkürzung
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Synonyme
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Erklärung
"Entzug-Normal" bezeichnet das Befinden, das für einen von einem Absetzsyndrom betroffenen Menschen individuell normal ist.

Es gibt Absetzverläufe, bei denen bestimmte Symptome dauerhaft vorhanden sind. Das können beispielsweise Schlafstörungen oder Schmerzen sein. Sie gehören dann quasi zum "Grundrauschen".
Der typische Absetzverlauf ist, dass nach einer Reduktion eine Symptomwelle auftritt, häufig etwas zeitverzögert. Dann klingt die Welle wieder ab und die Symptome entwickeln sich zurück zu dem "Entzug-Normal" Zustand.

Dieser "Entzug-Normal" Zustand ist von Person zu Person sehr unterschiedlich und kann sich im Verlauf auch verändern. Für Betroffene, die während des gesamten Entzugsverlaufes ein gewisses Ausmaß an Symptomen haben, ist es wichtig ihren "Entzug-Normal" Zustand zu kennen und diese Dauersymptome von den akuten Absetzsymptomen zu unterscheiden lernen.
Für diese Personen bedeutet Stabilität zwischen den Reduktionen, dass die für sie typischen Symptome in einem gewohnten Ausmaß auftreten. Ist man in dem eigenen "Entzug Normal Zustand", und sind die Symptome im erträglichen Rahmen, kann man dann dennoch behutsam weiter reduzieren.

Weiterführende Links


Begriff
Enzymatischer Abbau

Synonyme
Biotransformation

Erklärung
Die Biotransformation ist ein Stoffwechselvorgang, bei welchem nicht ausscheidbare Stoffe (körpereigene Stoffwechselprodukte oder von außen zugeführte Substanzen) durch chemische Prozesse in ausscheidbare Stoffe umgewandelt (transformiert) werden. Die für den Vorgang der Biotransformation ablaufenden Reaktionen finden überwiegend in der Leber statt.

Auch Arzneistoffe werden mithilfe diverser Enzymsysteme in der Leber abgebaut. Das für die Metabolisierung von Arzneimitteln besonders relevante System ist die sogenannte Cytochrom P450 Familie. Die für den Psychopharmaka-Abbau beiden wichtigsten zuständigen Enzymsysteme sind CYP2D6 und CYP2C19.

Nimmt man zwei oder mehr Medikamente ein, die über das selbe Enzymsystem abgebaut werden, kann es zu gefährlichen Wechselwirkungen kommen:
Bei einer Enzyminduktion (verstärkten Enzym­wirkung), wird der Abbau jener Medikamente, die durch das Enzym abgebaut werden, beschleunigt und deren Wirkung wird dadurch abgeschwächt.
Bei einer Enzyminhibition (abgeschwächten Enzym­wirkung), wird der Abbau jener Medikamente, die durch das Enzym abgebaut werden, verlangsamt. Das kann zu überschießenden Wirkungen, verstärkten Nebenwirkungen bis hin zu einer Arzneimittelvergiftung führen.

Gehört man einem speziellen Metabolisierungstyp an (z.B. poor metabolizer, intermediäre metabolizer), kann bereits die Einnahme eines einzelnen Medikamentes in der üblichen Dosierung zu schwerwiegenden Nebenwirkungen, Unverträglichkeit oder Vergiftung führen.
5-10% der Bevölkerung sind sogenannte "poor metabolizer".

Weiterführende Links


Begriff
Eustress

Synonyme
„positiver Stress“

Erklärung
Der Begriff Stress wurde von dem Arzt Dr. Hans Selye eingeführt. Er definierte Stress als "die unspezifische Antwort des Körpers auf eine Anforderung". Dabei unterschied er zwischen negativem Stress (Disstress) und positivem Stress (Eustress - eu von griechisch 'gut').
Ob eine Situation mit Eustress oder Disstress verbunden ist, hängt vor allem von der subjektiven Empfindung und Bewertung ab.

Positiver Stress wird als angenehm empfunden. Er aktiviert und setzt Kräfte frei indem die Neurotransmitter Adrenalin, Cortisol und Acetylcholin ausgeschüttet werden. Das Herz-Kreislaufsystem läuft in der Folge auf Hochtouren, die Pupillen erweitern sich, die Atmung ist verkürzt und der Appetit wird gedrosselt. Auch Serotonin wird ausgeschüttet.

Ein durch den Entzug "sensibilisiertes" Nervensystem kann durch eine solche Stressreaktion überfordert sein. Eustress kann daher genau wie Distress Entzugssymptome hervorrufen oder verstärken.

Weiterführende Links
* Eustress - MedLexi.de
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Re: Lexikon Fachbegriffe

F



Begriff
Flitterwochen Effekt

Abkürzung
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Synonyme
Absetz- Flitterwochen, Honeymoon- Phase/ Honeymoon Effekt (honeymoon engl.für Flitterwochen)

Erklärung
Nach einem abrupten oder sehr schnellen Absetzen kann es sein, dass man zunächst keine Entzugssymptome spürt oder sogar eine sehr gehobene Stimmungslage bis hin zu einem "High Gefühl" besteht. Für diesen Effekt hat sich unter Betroffenen der Begriff "Flitterwochen" eingebürgert.

Auch wenn dieses Hochgefühl sich gut anfühlen kann, ist es bereits ein Absetzsymptom. Zumeist hält es nur wenige Tage bis ein paar Wochen an, dann kommt oft der "Absturz" mit heftigen Absetzsymptomen.

Weiterführende Links
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Re: Lexikon Fachbegriffe

G

GABA (Gamma-Aminobuttersäure), Generikum, Genotypisierung, "Gereiztes" Zentrales Nervensystem, Glutamat,



Begriff
Gamma-Aminobuttersäure

Abkürzung
GABA ( für engl. Gamma-Amino-ButyricAcid)

Synonyme
γ-Aminobuttersäure, 4-Aminobuttersäure, Piperidinsäure

Erklärung
GABA ist der wichtigste hemmende Botenstoff im Zentralen Nervensystem (Neurotransmitter). In der Grundstruktur ist GABA eine Aminosäure, gebildet wird er aus der Glutaminsäure.

GABA bindet an spezielle GABA Rezeptoren und hemmt so die Signalweiterleitung zwischen den Nervenzellen. GABA ist quasi ein körpereigenes Beruhigungssystem.

GABA wirkt zudem als Botenstoff in der Bauchspeicheldrüse.

Verschiedene Antiepileptika, zum Beispiel Gabapentin, entfalten ihre krampflösende Wirkung, indem sie den GABA-Spiegel im Zentralnervensystem erhöhen.

Benzodiazepine verstärken die GABA-Wirkung indem sie an Benzodiazepin-Bindungsstellen binden, welche sich am GABA-Rezeptor befinden.

GABA ist als Nahrungsergänzungsmittel erhältlich, es soll beruhigend und schlaffördernd wirken. GABA kann allerdings nicht oder nur in geringer Menge die Blut-Hirn-Schranke durchdringen.

Weiterführende Links

Begriff
Generikum

Abkürzung

Synonyme
Nachahmerpräparat

Erklärung
Ein Generikum (Plural Generika) ist ein Nachahmerpräparat eines Arzneimittels, dessen Wirkstoffe nicht mehr dem Patentschutz unterliegen. Wirkstoffmäßig stimmt es mit einem bereits früher zugelassenen Arzneimittel überein, es kann sich jedoch bzgl. der Hilfs- und Füllstoffe und der Herstellungsart vom Originalpräparat unterscheiden. Ein Generikum unterliegt einer vereinfachten Zulassung, bei der auf Unterlagen des Originalherstellers zurückgegriffen werden kann.

Das Generikum muss in Wirksamkeit und Sicherheit dem Originalpräparat entsprechen. Bei der Anwendung am Menschen muss es bioäquivalente Eigenschaften entfalten. Dabei ist eine Schwankungsbreite von 80 bis 125 Prozent der Bioverfügbarkeit des Originalpräparates zulässig.

Bei einer Dauermedikation kann die Umstellung von einem Originalpräparat auf ein Generikum oder von einem Generikum auf ein anderes problematisch sein. Dies trift besonders bei schwer löslichen Arzneistoffen, bei retardierten Arzneistoffen und bei Arzneistoffen mit einer geringen therapeutischen Breite zu. Zu den diesbezüglich kritischen Arzneimittelgruppen gehören u.a. auch Antidepressiva, Neuroleptika und Antiepileptika.

Weiterführende Links
*Generikum - Wikipedia
* Original oder Generikum - PZ
*Generika - Das Gleiche, aber nicht dasselbe

Siehe auch "Bioverfügbarkeit



Begriff
Genotypisierung

Erklärung
Eine Genotypisierung ist die Untersuchung der DNA auf bestimmte Gen-Varianten. In Bezug auf Psychopharmaka dient sie der Abklärung von Unverträglichkeiten bzw. Überreaktionen auf bestimmte Medikamente.
Die meisten Psychopharmaka (und auch viele andere Substanzen) werden durch verschiedene Cytochrom P450-Enzyme des Leberstoffwechsels abgebaut. Bei vielen Menschen, wahrscheinlich bis zu 30% der Bevölkerung, ist die Aktivität bestimmter P450-Enzyme unterschiedlich stark vermindert („poor metabolizer, ultra poor metabolizer“). Dadurch kann die Konzentration eines Medikaments und damit auch Wirkung und Nebenwirkung, trotz normaler Dosis, um ein Vielfaches ansteigen.

Zur Abklärung kann, z.B. eine Untersuchung der CYP 2D6 und/oder CYP 3A4 Variante (Abbau vieler Psychopharmaka) vorgenommen werden. Der Test ist jedoch keine Standarduntersuchung und wird daher von Krankenkassen nur in begründeten Fällen übernommen.

Weiterführende Links

Begriff
"Gereiztes" Zentralnervensystem

Abkürzung
gereiztes ZNS

Synonyme
„irritiertes“ oder „sensibles“ oder hypersensibilisiertes Zentrales Nervensystem, Funktionsstörung des Zentralen Nervensystems

Erklärung
Im ADFD Forum fällt immer wieder der Begriff „gereiztes“, „irritiertes“ oder „sensibles“ Zentrales Nervensystem (ZNS). Das ist ein bildhafter Ausdruck für etwas, was man auch "Funktionsstörung des Zentralen Nervensystems im Bereich der Neurotransmittersysteme“ nennen könnte.

Bei der regelmäßigen Einnahme eines Psychopharmakon passt sich das ZNS an die Anwesenheit dieser Substanz an. Es findet ein tiefgreifender Umbau des ZNS statt, es wird z.B. die Anzahl bestimmter Rezeptoren erhöht oder erniedrigt. Wird das Psychopharmakon weggelassen, so befindet es sich nun in einem pathologisch veränderten Zustand, es kommt zu funktionellen Störungen im Zentralen und Vegetatven Nervensystem. Dies drückt sich in einer Vielzahl von Absetzsymptomen aus, die fast alle Körperfunktionen betreffen können.

Zu solchen Funktionsstörungen kann es nicht nur beim abrupten Weglassen des Psychopharmakons kommen, sondern auch bei schnellen oder großen Dosisänderungen nach oben oder unten, bei unregelmäßiger Einnahme oder tageweisem Auslassen der Dosis, sowie bei Wechseln auf ein anderes Psychopharmakon. Je häufiger derartige Änderungen stattfinden, umso mehr wird das Nervensystem sensibilisiert und umso "gereizter" reagiert es.
Auch eine Unverträglichkeitsreaktion auf ein Psychopharmakon kann eine solche Funktionsstörung zu Folge haben.

Diese Funktionsstörungen sind reversibel (umkehrbar/behebbar), es sind jedoch erneute Anpassungsprozesse erforderlich um das ursprüngliche Neurotransmittergleichgewicht wieder herzustellen. Diese brauchen Zeit.

Weiterführende Links

Begriff
Glutamat

Synonyme

Erklärung
Glutamate sind Salze der Glutaminsäure. Glutamat ist ein wichtiger erregender Neurotransmitter im zentralen Nervensystem, wo es an spezielle Glutamatrezeptoren bindet. Glutaminsäure dient als Ausgangsprodukt in der Synthese von γ-Aminobuttersäure (GABA), des wichtigsten hemmenden Neurotransmitters im ZNS. Fehlfunktionen des Glutamat-Systems können zu innerer Unruhe, Schlafstörungen und anderen Symptomen führen. Womöglich spielt dies eine wichtige Rolle beim Antidepressiva-Entzugssyndrom.

Weiterführende Links
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Re: Lexikon Fachbegriffe

H

Halbwertszeit, Histamin-Intoleranz, Homöostase, Hyperbolische Dosisreduktion



Begriff
Halbwertszeit (Pharmakokinetik)

Abkürzung
HWZ

Synonyme
Eliminationshalbwertszeit, Plasmahalbwertszeit

Erklärung
Als Halbwertzeit bezeichnet man die Zeit, die der Körper braucht, um die Hälfte einer Substanz (z.B. den Wirkstoff eines Medikamentes) auszuscheiden oder in ein wirkungsloses Stoffwechselprodukt abzubauen.

Die Zeit bis ein Medikamentenwirkstoff komplett ausgeschieden oder abgebaut ist (Eliminationszeit) entspricht fünf Halbwertszeiten.

Ist beispielsweise die HWZ eines Wirkstoffes 10 Stunden, so ist 10 Stunden nach der Einnahme nur noch die Hälfte des Wirkstoffes vorhanden, nach 50 Stunden ist er komplett ausgeschieden oder abgebaut.

Die Halbwertszeit ist meist eng mit der Wirkdauer verbunden, Medikamente mit kurzer Halbwertszeit wirken kürzer, man bemerkt meist deutlicher wie die Wirkung wieder aufhört und bekommt schneller Entzugssymptome wenn nach körperlicher Gewöhnung die Einnahme plötzlich unterbrochen wird.

siehe auch "Kumulation"

Weiterführende Links
* Halbwertszeit - PharmaWiki


Begriff
Histamin-Intoleranz

Abkürzung
HIT, HI

Synonyme
Histaminose

Erklärung
Histamin ist ein wichtiger Neurotransmitter und ein Gewebshormon. Es bindet an Histaminrezeptoren und steuert so unter anderem allergische Reaktionen, Schlaf-Wach-Rhythmus, Auslösung von Erbrechen und Ausschüttung von Adrenalin.
Viele Psychopharmaka blockieren bestimmte Histaminrezeptoren und wirken daher sedierend.
Beim Absetzen kann die „Gewöhnung“ an die verminderte Histaminwirkung zu einer ausgeprägten Unverträglichkeit histaminhaltiger oder die Histaminfreisetzung fördernder Nahrungsmittel und Medikamente führen.
Diese „induzierte Histaminintoleranz“ ist häufig nicht im Blutbild nachweisbar. Sie kann sich nach völligem Absetzen und einer Regenerationsphase wieder zurückbilden.

Weiterführende Links
* Histaminintoleranz (HIT) im Entzug



Begriff
Homöostase

Erklärung
Aufrechterhaltung eines Gleichgewichtszustandes eines offenen dynamischen Systems durch einen internen regelnden Prozess. In der Physiologie bezeichnet Homöostase die Aufrechterhaltung des inneren Gleichgewichts im gesamten Organismus. Im Körper streben alle Regelprozesse (z.B. Temperaturregulierung, Regulierung des Blutzuckerspiegel) nach einem Gleichgewicht. Auch das Gehirn/Zentralnervensystem ist stets bestrebt ein Gleichgewicht seiner Botenstoffe aufrecht zu erhalten.

Psychopharmaka greifen in dieses sensible Gleichgewicht ein, das Gehirn passt sich daran an (Neuroadaption), es entsteht ein neuer künstlich stabiler Zustand. Beim Absetzen entsteht ein erneutes Ungleichgewicht, das Zentralnervensystem muß wiederum eine Homöostase herstellen. Daher wird als Grund für Absetzsymptome eine Homöostase Störung angenommen.

Weiterführende Links
* Homöostase - MedLexi
* Homöostase - Wikipedia



Begriff
Hyperbolische Dosisreduktion

Synonyme
Hyperbolisches Ausschleichen, graduelles Ausschleichen

Erklärung
Hyperbolisch〈Adj.〉= in der Art einer Hyperbel (Kurve zweiter Ordnung)
Hyperbolische Dosisreduktion ist eine wissenschaftlich begründete Methode zum Absetzen von Psychopharmaka, die das Risiko von Entzugssymptomen verringert.
Beim hyperbolischen Ausschleichen wird die Dosis nicht um eine pro Schritt gleich große Menge (Milligrammanzahl) reduziert (lineare Reduktion), sondern sie wird gemäß ihrer biologischen Wirkung auf das Gehirn verringert.

Die Dosis-Wirkungsbeziehung zwischen einem Psychopharmakon und der Belegung von Botenstofftransportern/Rezeptoren entspricht einer hyperbolischen Beziehung, d.h. im unteren Dosisbereich sind bereits überproportional viele Rezeptoren/Transporter belegt. Die Belegungskurve steigt zunächst stark an, flacht dann ab und erreicht schließlich ein Plateau.

Beim hyperbolischen Ausschleichen werden dementsprechend die Reduktionsschritte immer kleiner, sodass sie z.B. einer zehnprozentigen Verringerung der Rezeptoren/Transporter-Belegung entsprechen.

Weiterführende Links
* Graduelle Reduktion - warum gleichbleibende Reduktionsgrößen kontraproduktiv sind
* Belegung von Botenstofftransportern/Rezeptoren und Auswirkung auf das Absetzen (mit Grafiken)
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