Leitfaden für Psychotherapeuten - Gesprächsführung mit Klienten, die Psychopharmaka einnehmen oder absetzen (CEP)

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Leitfaden für Psychotherapeuten - Gesprächsführung mit Klienten, die Psychopharmaka einnehmen oder absetzen (CEP)

Leitfaden für Psychotherapeuten - CEP (2019, überarbeitet 2021)

Gesprächsführung mit Klienten, die verschriebene Psychopharmaka einnehmen oder absetzen
(Guidance for Psychological Therapists)

Webseite: Guidance for Psychological Therapists
Ausführlicher Leitfaden
Kurzform
PDF
Videoaufzeichnungen von CPD-Events zum Leitfaden


Psychotherapie kann während des Entzugs von Psychopharmaka sehr hilfreich sein. Neuere Studien/Leitlinien empfehlen Psychotherapie zur Entzugsunterstützung. Es gibt jedoch Einiges, was dabei zu beachten ist, ansonsten kann Psychotherapie sich nachteilig auswirken.

Das Council for Evidence-based Psychiatry (CEP) hat 2019/2021 einen Leitfaden für Psychotherapeuten zusammengestellt, die ihre Klienten im Psychopharmakaentzug begleiten wollen.
Auf ihrer englischsprachigen Website, "Guidance for Psychological Therapists" wird ein ausführlicher Leitfaden sowie eine Kurzversion zur Verfügung gestellt.

Die Seite ist sehr empfehlenswert, vielleicht ist es eine Möglichkeit, euren Therapeuten darauf hinzuweisen oder einen Ausdruck mitzubringen.

In der ausführlichen Version wird zunächst in verschiedene Aspekte des Themas eingeführt.

Im Abschnitt 4 "Wirkungsweise von Psychopharmaka nach Wirkstoffklassen: Moncrieff, J., & Stockmann, T." folgen dann fundierte Informationen über die einzelnen Psychopharmakagruppen, Wirkweise, Wirksamkeit, Nebenwirkungen und die Entzugsproblematik.
Link

Im Abschnitt 5 "Was wissen wir über den Entzug?: Read, J. & Davies, J., with Montagu, L., Spada, M. M." werden die Grundlagen zu Abhängigkeit und Entzug erläutert.
Link

Im Abschnitt 6 "Die Rolle des Therapeuten bei der Unterstützung des Entzugs von Psychopharmaka – was wissen wir darüber, was hilfreich ist?:Guy, A. with Davies, J., Kolubinski, D., Montagu, L. " unter 6.1 6.1 The combined wisdom approach finden sich dann konkrete Unterstützungsvorschläge zur:
Phase 1 - Vorbereitung auf den Entzug
Phase 2 - Unterstützung während des Entzugs, inkl. Bewältigungsskills
Phase 3 - Nach dem überstandenen Entzug


Teilübersetzung von Phase 2:
Unterstüzung während des Entzugs (6.1.2):
  • Unterstützen Sie den Klienten dabei, die Entzugsreaktionen zu erkennen, und versichern Sie, dass sie vorbei gehen werden. Es ist wichtig, davon auszugehen, dass alle Reaktionen, die während des Entzugsprozesses auftreten, auf den Entzug zurückzuführen sind, sofern nicht das Gegenteil bewiesen wird.
  • Ermutigen Sie den Klienten, in dem für ihn richtigen Tempo vorzugehen, greifen Sie dabei weiterhin auf relevante Informationen zurück, um den Klienten bei der Entscheidungsfindung zu unterstützen.
  • Setzen Sie in Zeiten starker Entzugsreaktionen jeden Versuch, tieferliegende psychologische Zusammenhänge zu ergründen, aus und setzen Sie den Fokus stattdessen darauf, Unterstützung anzubieten.
  • Helfen Sie dem Klienten dabei, für ihn unterstützende Maßnahmen zu finden, die es ihm ermöglichen, mit Entzugserscheinungen umzugehen und sie zu tolerieren, solange sie andauern. Dazu können Bewältigungsstrategien gehören – siehe die Liste der "Bewältigungsmechanismen" unten.
  • Pflegen Sie weiterhin eine herzliche und aufmerksame therapeutische Beziehung und, sofern dies mit Ihrer Arbeitsweise vereinbar ist, fördern Sie eine offene Kommunikation zwischen dem Klienten, Familienmitgliedern, dem verschreibenden Arzt und anderen Angehörigen der Gesundheitsberufe.

Bewältigungsstrategien während des Entzugs
(6.1.2.1):
  • a. Akzeptanz/Widerstandslosigkeit: Eine Haltung der Widerstandslosigkeit einzunehmen, ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für den Umgang mit Entzugserscheinungen. Dabei geht es darum, dass Klienten schmerzhafte Erfahrungen zulassen, sobald sie sich dieser bewusst werden, ohne sich dagegen zu wehren oder zu versuchen, sie zu unterbinden.
  • b. Achtsamkeit: Dies umfasst eine Vielzahl von Übungen, die Klienten helfen, enger mit dem gegenwärtigen Moment in Kontakt zu treten – einschließlich ihrer Gedanken, Gefühle und körperlichen Empfindungen, und zwar vor allem ohne Wertung oder Widerstand.
  • c. Positive Selbstunterstützung und Selbstgespräche: Dies ist eine Technik, die häufig in der KVT (Kognitive Verhaltenstherapie) verwendet wird, um dem Klienten zu helfen, seine Stimmung zu beeinflussen, indem er ein Bewusstsein dafür entwickelt, wie er über sich selbst, seine Gegenwart und Zukunft denkt und wo Denkmuster beginnen sich negativ auszuwirken.
  • d. Atemübungen wie Zwerchfellatmung können für Klienten allgemein hilfreich sein, wenn sie ängstlich oder panisch sind.
  • e. Emotional Freedom Technique (EFT): Dies ist eine Akupressurtechnik, die oft als "psychologische Akupunktur" bezeichnet wird und das Klopfen bestimmter Meridianpunkte auf Gesicht, Körper und Händen beinhaltet.
  • f. Körperübungen (wenn sie toleriert werden und dem Fitness- und Leistungsniveau des Klienten angemessen sind – sie kann bei einigen eine "Symptomwelle" triggern)
  • g. Glaube: Wenn bereits ein Glaube oder eine Glaubenspraxis vorhanden ist, kann sich dies für einige Menschen als hilfreich erweisen - zum Beispiel berichten einige, dass sie das Gebet als Mittel nutzen, um einen ruhigeren und hoffnungsvolleren Zustand zu erreichen.
  • h. Erdung: Dieser Begriff beschreibt ein starkes Gefühl der Verbindung zwischen Geist und Körper, einschließlich eines Empfindens, vollständig präsent zu sein. Es gibt verschiedene Übungen, die dieses Empfinden fördern können, einschließlich einiger Achtsamkeitsübungen.
  • i. Gesunde Ablenkungen
  • j. Hobbies: Die Bewältigung eines schweren Entzugs kann bei einigen Klienten das Gefühl hinterlassen, dass das normale Leben verloren gegangen ist, in einigen Fällen unwiderruflich. Für viele Klienten ist es hilfreich, soweit möglich, Elemente eines ausgeglicheneren Lebens wieder aufzunehmen, die ihren Fähigkeiten und Umständen entsprechen.
  • k. Meditation: Für Menschen mit weniger schweren Entzugsreaktionen können formale Meditationsmethoden hilfreich sein, um "Atempausen" zu erleben.
  • l. Selbstmitgefühlsarbeit: Verbunden mit Achtsamkeit beinhaltet dies, nicht hilfreiche Selbstkritik in Freundlichkeit mit sich selbst zu verwandeln.
  • m. Schlaf: Es ist wichtig, dass die Klienten angemessene Schritte unternehmen, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, ein zufriedenstellendes Schlaf- und Ruheniveau zu erreichen.
  • n. Führen eines Tagebuchs: Dies kann genutzt werden, um Veränderungen bei Erfahrungen wie Schlaf und Stimmung zu verfolgen, während die Dosierung schrittweise reduziert wird. Es könnte auch das Setzen von Zielen für den nächsten Tag beinhalten, falls dies als hilfreich empfunden wird.
  • o. Visualisierung: Dabei konzentrieren sich die Klienten auf ein Bild dessen, was sie sich wünschen, und stellen es sich so vor, als wäre es bereits Realität.
  • p. "Entkatastrophieren": Die Klienten lernen zu erkennen, wann sie sich Worst-Case-Szenarien ausmalen, und arbeiten gleichzeitig daran, ihre Aufmerksamkeit wieder auf das zu lenken, was tatsächlich geschieht.
Quellenangabe:
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Guy, A., Davies J., Rizq, R. (Eds.) (2019). Guidance for Psychological Therapists: Enabling conversations with clients taking or withdrawing from prescribed psychiatric drugs. London: APPG for Prescribed Drug Dependence.

Abschnitt 6: Guy, A. with Frederick, B., Davies, J., Kolubinski, D., Montagu, L. (2019). The role of the therapist in assisting withdrawal from psychiatric drugs: What do we know about what is helpful? In: A. Guy, J. Davies, R. Rizq (Eds.) Guidance for psychological therapists: Enabling conversations with clients taking or withdrawing from prescribed psychiatric drugs. London: APPG for Prescribed Drug Dependence.

Copyright des Leitfadens: © Council for Evidence-based Psychiatry 2019-2020
This work is licensed under the Creative Commons Attribution-Non-Commercial-No Derivatives 4.0 International License (CC-BY-NC-ND 4.0).

Einen Austauschthread zum Thema "Psychotherapie im Entzug" findet ihr hier
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