(Williams et al., 2026)
Link zur Studie
Eine Forschergruppe um Mollie Griffin Williams untersuchte mithilfe einer Umfrage, in wieweit sich der Glaube an biologische Ursachen psychischer Erkrankungen darauf auswirkt, ob Antidpressiva als wirksam wahrgenommen werden oder nicht.
Kernaussagen:
- 57 % der Menschen, die Antidepressiva einnahmen, schrieben ihrer Erkrankung einer biologische Ursache zu.
- Diejenigen, die an eine biologische Ursache glaubten, nahmen Antidepressiva bereits seit längerer Zeit ein.
- Sie hatten mit höherer Wahrscheinlichkeit das Gefühl, ohne Antidepressiva nicht zurechtzukommen.
- Sie hatten mit geringerer Wahrscheinlichkeit versucht, die Einnahme zu beenden.
- Biologische Überzeugungen standen in keinem Zusammenhang mit der Schwere der Depressions- oder Angstsymptome.
Abstract
"Langzeitbehandlungen mit Antidepressiva werden immer häufiger durchgeführt, und es gibt Hinweise darauf, dass die Überzeugungen über die Ursache psychischer Erkrankungen die Einstellung der Betroffenen zur Behandlung mit Antidepressiva beeinflussen. Mögliche verfälschende Auswirkungen der Schwere ihrer Erkrankung wurden jedoch bislang nicht untersucht.
Ziel der vorliegenden Studie war es, die Auswirkungen des Glaubens an die biologische Ursache psychischer Erkrankungen auf die Inanspruchnahme von und die Einstellung gegenüber einer Behandlung mit Antidepressiva zu untersuchen. Sie umfasste eine Befragung von Personen, die eine öffentlich zugängliche Therapieeinrichtung für Menschen mit Angst- und depressiven Störungen im Vereinigten Königreich besuchten und die Antidepressiva einnahmen oder eingenommen hatten.
Insgesamt nahmen 497 Personen an der Umfrage teil. 57 % stimmten mindestens einer Aussage zur biologischen Ursache ihrer Erkrankung zu, und 66 % waren der Meinung, dass ihre Erkrankung mit Lebensereignissen zusammenhänge.
Personen mit biologischen Überzeugungen hatten Antidepressiva länger eingenommen als diejenigen ohne (Median 12 vs. 6 Monate, p = 0,005, Mann-Whitney-U) und versuchten seltener, ihrer Antidepressiva abzusetzen (58,5 % vs. 67,6 %, X² = 4,3, d. f. 1, p = 0,04). Sie glaubten auch eher, dass Antidepressiva ihren Zustand verbessert hätten und dass sie ohne sie nicht zurechtkämen.
Die Schwere der depressiven und Angstsymptome stand nicht im Zusammenhang mit dem Glauben an biologische Ursachen. Bei denjenigen, die versucht hatten, die Einnahme ihrer Antidepressiva zu beenden, war das Festhalten an biologischen Überzeugungen nicht mit häufigeren oder schwereren Entzugserscheinungen verbunden, doch stand eine längere Anwendungsdauer in Zusammenhang mit schwereren Entzugserscheinungen.
Eine Aufklärung zur Korrektur unbegründeter Vorstellungen über die Ursachen psychischer Störungen könnte dazu beitragen, die unnötige Langzeitanwendung von Antidepressiva zu reduzieren."
Quellenangabe:
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Mollie Griffin Williams, Mark Horowitz, James Davies, Joanna Moncrieff, Beliefs about the biological nature of mental disorders and how they affect antidepressant use and withdrawal, Journal of Affective Disorders, Volume 400, 2026, 121069, ISSN 0165-0327,
https://doi.org/10.1016/j.jad.2025.121069.
Der Originalartikel steht unter einer Creative Commons Lizenz
https://doi.org/10.1016/j.jad.2025.121069.
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