Neues aus der Psychopharmakaforschung (Wirksamkeit, Risiken, Alternativen)

(Fach-)Artikel, Studien und weitere wissenschaftliche Texte, Aufklärungsvideos etc. zum Absetzen von Antidepressiva, Benzodiazepinen und Neuroleptika (Antipsychotika)
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Bewegung ist bei Depressionen genauso wirksam wie Psychotherapie/Psychopharmaka - Neues aus der Psychopharmakaforschung

Bewegung ist bei Depressionen genauso wirksam wie Psychotherapie/Psychopharmaka

Studie: Körperliches Training bei Depressionen
Link zur Studie

Einer aktualisierten Übersichtsarbeit zufolge kann moderate Bewegung Depressionssymptome ähnlich gut lindern wie Psychotherapie oder Psychopharmaka.

Eine Forschergruppe um Professor Andrew J. Clegg wertete für diese Cochrane-Analyse 73 randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 4.985 Erwachsenen mit Depressionsdiagnosen aus. In diesen Studien wurden inaktive Interventionen (keine Behandlung, Warteliste, Placebo) mit aktiven Interventionen (Psychotherapie, Psychopharmaka) verglichen.

Die Forscher fanden heraus, dass Bewegung moderat besser half als keine Behandlung oder ein Placebo. Sie fanden keine oder kaum Unterschiede in der Wirksamkeit von Bewegung und Psychotherapie/Psychopharmaka:
Bewegung scheint nicht mehr oder weniger wirksam zu sein als psychologische oder pharmakologische Behandlungen.
Die Aussagekraft der Studie ist durch die geringe Zahl an Teilnehmenden vieler der eingeschlossenen Studien und durch ein hohes Risiko für Verzerrungen und durch fehlende Nachbeobachtung eingeschränkt. Weitere hochwertige Studien seien daher erforderlich.

Quellenangabe: Clegg AJ, Hill JE, Mullin DS, Harris C, Smith CJ, Lightbody CE, Dwan K, Cooney GM, Mead GE, Watkins CL. Exercise for depression. Cochrane Database of Systematic Reviews 2026, Issue 1. Art. No.: CD004366. DOI: 10.1002/14651858.CD004366.pub7.
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Häufige Off-Label Anwendung von Psychopharmaka bei Kindern und Jugendlichen /Neues aus der Psychopharmakaforschung

Häufige Off-Label Anwendung von Psychopharmaka bei Kindern und Jugendlichen

Studie: Off-Label-Anwendung von Arzneimitteln bei Kindern und Jugendlichen, die mit Antidepressiva und Antipsychotika behandelt werden: Ergebnisse einer prospektiven multizentrischen Studie (2025)
Link

Als Off-Label Anwendung wird die Verordnung von Arzneimitteln in nicht zugelassenen Anwendungsgebieten bezeichnet. Für solche Anwendungen wurde die Wirksamkeit und Sicherheit des Arzneimittels nicht geprüft.

Eine Forschergruppe um Regina Taurines vom Universitätsklinikum Würzburg untersuchte die Häufigkeit von Off-Label Anwendungen von Antidepressiva und Antipsychotika für Kinder und Jugendliche in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Ausgewertet wurden die Daten von 700 kinderpsychiatrische Patienten im Alter von 4–18 Jahren in 18 Behandlungszentren.

Die Off-Label Verordnungen wurden nach folgenden Kategorien sortiert:
  • Off-Label-Use nach Alter: Das Alter des Patienten stimmt nicht mit der Altersgruppe überein, für die das Medikament zugelassen wurde.
  • Off-Label-Use nach Indikation: Die Symptome oder Erkrankung stimmen nicht mit denjenigen überein, für die das Medikament in Deutschland zugelassen wurde.
  • Off-Label-Use nach Dauer der Behandlung: Die Behandlungsdauer entspricht nicht der Behandlungsdauer, für die das Medikament zugelassen wurde.
  • Off-Label-Use nach Alter und Indikation: Sowohl Alter als auch Indikation stimmen nicht mit dem überein, wofür das Medikament zugelassen wurde.
Ergebnisse:
  • Insgesamt waren 67% aller Antidepressiva- und Antipsychotika-Behandlungsphasen Off-Label-Use. Bei Antidepressiva waren es 55,2%, bei Antipsychotika 81,7%. Am häufigsten war die Off-Label Anwendung nach Alter, darauf folgte Off-Label Anwendung nach Indikation (Diagnose), an dritter Stelle stand Off-Label Anwendung nach Alter und Indikation.
  • Kein Zusammenhang fand sich zwischen dem Geschlecht, dem Alter und der Schwere der Erkrankung der Patienten und der Häufigkeit der Off-Label Behandlungen.
  • „Suizidalität bei der Aufnahme“ war mit vermehrter Off-Label-Verschreibung von Antidepressiva verbunden. Eine Behandlung in Universitätskliniken führte zu vermehrter Off-Label-Verschreibung bei Antipsychotika.
Die Studienautoren stellen fest:
"Die Häufigkeit der Off-Label Verwendung von Antidepressiva und in noch stärkerem Maße von Antipsychotika bei jungen Menschen, die in spezialisierten kinderpsychiatrischen Zentren behandelt werden, ist hoch."

Sie verteten die Auffassung:
"Da die klinische Wirksamkeit und Sicherheit der Off-Label Verwendung von Antidepressiva und Antipsychotika bei jungen Menschen noch nicht ausreichend erforscht ist, erfordern unsere Ergebnisse weitere Pharmakovigilanz-Studien und Strategien zur Verbesserung der Arzneimittelsicherheit."

Quellenangabe:
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Taurines, R., Gerlach, M., Correll, C.U. et al. Off-label drug use in children and adolescents treated with antidepressants and antipsychotics: results from a prospective multicenter trial. Child Adolesc Psychiatry Ment Health 19, 110 (2025). https://doi.org/10.1186/s13034-025-00957-7
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SSRI/SNRI Antidepressiva erhöhen das Risiko für Magen-Darm-Blutungen / Neues aus der Psychopharmakaforschung

SSRI/SNRI Antidepressiva erhöhen das Risiko für Magen-Darm-Blutungen

Risiko für gastrointestinale Blutungen durch bestimmte SSRIs und SNRIs: Eine systematische Überprüfung und Metaanalyse (2025)
Link zur Studie

Eine Forschergruppe unter der Leitung von Ainhoa Gomez-Lumbreras von der University of Utah wollte herausfinden, ob das Risiko von gastrointestinalen Blutungen (GIB) durch selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Inhibitoren (SSRIs) und Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Inhibitoren (SNRIs) erhöht wird. Sie führten dazu eine Datenbankanalyse zu spezifischen SSRI/SNRI Antidepressiva durch.

Ihre Metaanalyse ergab, dass bei allen untersuchten SSRI/SNRI das Risiko für GIB deutlich erhöht war. Bei Venlafaxin zeigte sich ein um 50% erhöhtes Risiko für eine GIB, bei Citalopram und Fluoxetin war das Risiko um jeweils 38% erhöht, bei Escitalopram um 37%,
bei Sertralin um 34%, bei Fluvoxamin um 33%, bei Duloxetin um 32% und bei Paroxetin um 30% erhöht.

Die Forscher schlussfolgern:
GIB ist ein seltenes unerwünschtes Ereignis, aber diese Analyse zeigt, dass das Risiko für GIB bei häufig verwendeten SSRI/SNRI erhöht ist, was die Bedeutsamkeit für Patienten mit einem erhöhten Risiko für GIB unterstreicht.
Quellenangabe:
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Gomez-Lumbreras A, Tawfik AG, Del Fiol G, et al. Risk of gastrointestinal bleeding by specific SSRIs and SNRIs: A systematic review and meta-analysis. Br J Clin Pharmacol. 2026; 92(3): 793-808. https://doi.org/10.1002/bcp.70432
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