Adele Framer hat unter dem Pseudonym Altostrata aufgrund ihrer eigenen schrecklichen Erfahrung mit dem Entzug von Antidepressiva die Online-Community, SurvivingAntidepressants.org gegründet und über viele Jahre betrieben. Sie hat selbst 11 Jahre lang ein protrahiertes Antidepressiva-Entzugssyndrom erlitten. Den nachfolgenden Abschnitt hat sie in der Facharbeit "Was ich gelernt habe, indem ich Tausenden von Menschen beim Absetzen von Antidepressiva und anderen Psychopharmaka geholfen habe" veröffentlicht. Als Patientenfürsprecherin und Laienexpertin für Psychopharmaka-Entzugssyndrome gibt sie in dem Artikel ihre Eindrücke zu den wichtigsten Themen aus ihrer Erfahrung wieder.
Teilübersetzung:
Mein Interesse am Psychopharmaka-Entzug
"Im Alter von 50 Jahren wurde mir bei hervorragender körperlicher Gesundheit 10 mg Paroxetin gegen Arbeitsstress verschrieben, woraufhin ich sexuelle Funktionsstörungen, emotionale Betäubung und nach einigen Jahren Motivationslosigkeit entwickelte. [24,25] Nach einer katastrophalen Umstellung auf Escitalopram auf Anweisung eines Psychiaters suchte ich in der nahe gelegenen psychiatrischen Ambulanz eines international anerkannten Universitätsklinikums nach einer Beratung zum Absetzen. Da ich dort keine Beratung erhielt, setzte ich Paroxetin im Jahr 2004 innerhalb weniger Wochen ab. Einige Jahre zuvor hatte ich eine zweijährige Behandlung mit 10 mg Fluoxetin, einem anderen gängigen selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), gegen prämenstruelle Symptome ohne Schwierigkeiten abgesetzt.
Nach dem Absetzen von Paroxetin erlebte ich anfangs Hypomanie, Schweißausbrüche und elektrische „ Gehirnschläge “[26] , wobei letztere 7 Monate lang anhielten. Nach einigen Wochen änderte sich das Muster meiner akuten Entzugssymptome zu anderen merkwürdigen Symptomen, darunter Desorientierung, Depersonalisierung, Schlaflosigkeit, Licht- und Wärmeunverträglichkeit, Verdauungsstörungen, Herzklopfen und Unwohlsein [27], unterbrochen von spontanen Weinkrämpfen, Anfällen schieren Terrors oder plötzlichen Abstürzen in noch nie dagewesene, inhaltslose schwarze Löcher reinen Grauens.[16,28] Ich fühlte ein Vakuum von positivem emotionalem Interesse sowie eine genitale Betäubung (post-SSRI sexual dysfunction oder PSSD), die sich erst nach mehreren Jahren auflöste.[29,30] So etwas hatte ich noch nie erlebt. Es fühlte sich nicht wie ein „Rückfall“ an. Ich verbrachte Stunden mit der Suche nach Fachartikeln über das Antidepressiva-Entzugssyndrom. Meine Bitte an meine Psychiater, mir wieder Paroxetin zu verabreichen, wie es in der Literatur empfohlen wurde, [26,31] wurde abgelehnt.
Da meine Symptome über Jahre hinweg anhielten, habe ich wohl Dutzende von Psychiatern kontaktiert, die über den Entzug von Antidepressiva geschrieben hatten. Alle sagten mir sofort, dass ich einen „Rückfall“ erlebe - mit Ausnahme von Richard Shelton von der Vanderbilt University [26], der mir antwortete: „Ich denke, das Absetzsyndrom ist in manchen Situationen ziemlich schlimm und in anderen wirklich schrecklich....fast alle werden geheilt; das heißt, mit Ausnahme einer sehr kleinen Gruppe, bei der die Symptome anhaltend sind. (R. Shelton, persönliche Mitteilung, 2006)
Wie bei Psychopharmaka-Entzugssymptomen üblich, schwankten und veränderten sich meine Symptome,[28,32,33] einschließlich 1,5 Jahre lang lähmender Muskelschmerzen und Krämpfe. Ich konnte keine Medikamente vertragen und reagierte hyperreaktiv auf alles, was neuroaktiv war, sogar auf Vitaminpräparate.[34] Ich schloss mich der Online-Community paxilprogress.org an, um Unterstützung zu finden.9 In meinem vierten Jahr des protrahierten Entzugssyndroms (PWS) hatte ich das Glück, von einem Psychiater mit winzigen Dosen von Lamotrigin (bis zu 1,5 mg) behandelt zu werden, um mein Nervensystem zu stabilisieren.[27] Dennoch erholte ich mich nur sehr allmählich; letztendlich litt ich 11 Jahre lang an PWS,[32,35,36] die letzte Hälfte davon war ich ans Haus gebunden und arbeitsunfähig, was meine Karriere in der Entwicklung von Informationssystemen ebenso zerstörte wie meine Beziehungen. Als ich mich erholte, war ich eine weißhaarige Rentnerin.
Ich berate jeden Tag Fälle wie meinen und möchte nicht, dass noch mehr Menschen so leiden wie ich."
Quellenangabe:
Framer A. What I have learnt from helping thousands of people taper off antidepressants and other psychotropic medications. Therapeutic Advances in Psychopharmacology. 2021;11. doi:10.1177/2045125321991274
Die Orginalarbeit steht unter einer CC BY-NC 4.0 Lizenz
https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/
Erfahrungsbericht Altostrata (SA): Genesung von einem 11 Jahre anhaltendem protrahierten Antidepressiva-Entzugssyndrom
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Erfahrungsbericht Altostrata (SA): Genesung von einem 11 Jahre anhaltendem protrahierten Antidepressiva-Entzugssyndrom
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